Von Onkel Loco, 18. September 2007, 09:19 Uhr

Und ich wähnte mich schon am Ziel meiner Träume: Das Internet ist sauber. Keine Pornographie und keine Terroristen mehr. Und schon gar keine Pornoterroristen. Endlich sollte das Internet eine Blümchenwiese sein - so wie wir alle das immer schon wollten.

Da wird in der EU diskutiert, gefährliche Suchanfragen von vornherein zu verbieten und Arcor nimmt den Ball auch gleich auf und sperrt gefährliche Websites1.
Man will uns mündige Bürger also schützen und lässt auch den Volljährigen ein gewisses Maß an Jugendschutz angedeihen und was machen wir? Wir machen das, was wir in unserer Eigenschaft als chronisch undankbares Pack am besten können: wir beschweren uns und maulen rum. Typisch.

Was haben wir vom Freiheitsdrang?

Ich persönlich habe ja schon lange die Schnauze voll vom ewigen Gejammer in diesem Lande und möchte daher für die EU und aufrechte Unternehmen wie Arcor eine Lanze brechen, indem ich hier einmal aufzeige, gegen was wir eigentlich protestieren und warum das in Wahrheit keine gute Idee ist.
Es folgt also eine Analyse der Methoden mit der unter anderem unsere Politiker versuchen uns vor Andersdenkenden zu schützen - denn wir wissen ja: tote glückliche Fische schwimmen mit dem Strom.

Gefährdungssituation

Begutachten wir also zunächst einmal die Gefährdungssituation: Unser christliches Abendland wird von Terroristen bedroht, die jeden Tag aufs neue daran gehen, uns mit allerlei fiesen Tricks, wie zum Beispiel einer Idee namens Islam, in unserer Existenz zu bedrohen. Zu diesem Zwecke trainieren die künftigen Attentäter online mit Killerspielen und suchen sich im Internet Bombenbauanleitungen. Das ist böse. Das wollen wir nicht.

Auf der anderen Seite wird unsere Kultur durch Personen bedroht, die uns mit Pornographie in die Falle der psychischen Abhängigkeit locken wollen2. Hier ist das Gefährdungspotential natürlich nicht ganz so hoch, wie es das bei Teil eins der Gefährdungssituation ist - dennoch darf auch diese Bedrohung nicht unterschätzt werden, denn…

…die Mischung macht’s!

Richtig. Genau so, wie Ihr Euch das gerade vorstellt, ist es auch.
Nehmen wir doch mal an, ein Terrorist stößt auf der Suche nach Informationen über Bomben und Kernspaltung auf frei zugängliche Pornographie. Das versetzt ihn doch mit Sicherheit in die Lage, die gefundenen Informationen zu kombinieren - so ein Terrorist ist doch trotz seiner ideologischen Verblendung nicht blöd.
Er wird also aus den gefundenen Informationen zu Sprengwaffen und Erotik eine furchtbare Waffe entwickeln: eine schmutzige Bombe, vielen Leser auch als Sexbombe bekannt.

Unsere Verantwortung

Das darf nicht passieren. Wir dürfen uns unserer Verantwortung der Welt gegenüber nicht entziehen. Wir müssen mit dem Jammern aufhören und die Politik und die wenigen aufrechten Unternehmen in ihrem Kampf um Integrität und Sicherheit unterstützen. Wir müssen für eine Zensur der uns angebotenen Inhalte stimmen. Dann wird die Welt endlich wieder friedlich und schön. »Blümchen« ist hier das Stichwort.

Es könnte so schön sein.

Stellt Euch doch nur kurz einmal vor, wie wunderbar das Internet sein könnte: Kein Terrorismus, keine Waffen, keine in hochauflösenden Bildern präsentierten Geschlechtsorgane.
Und jetzt könnt Ihr es zugeben. Bei dem Gedanken daran fühlt Ihr Euch wie ein tanzender und singender Teletubbie auf einer grünen Wiese. Ja, das ist wahres Glück3.
Wo wir gerade dabei sind, hier die Wahrheit zu verbreiten: Gebt doch endlich zu, dass der Plan geradezu perfekt ist. Seht doch endlich ein, dass es zwingend erforderlich ist, auf unsere Rechte zu verzichten. Um der Freiheit willen. Um der Sicherheit willen. Im Gegenzug erhalten wir doch auch eine Menge. Innere Ruhe. Geborgenheit. Gedankenlosigkeit. Schutz vor jeglicher Eigenverantwortung.

Also überlegt es Euch gut und denkt immer daran: wir könnten wirklich frei sein - wir könnten wie die Teletubbies sein.

P.S.: Um den Suchmaschinen die Einschätzung des Gefährdungspotentials dieses Artikels zu erleichtern, habe ich Worte, die dazu geeignet sind die Sicherheit des Staates gefährden in Kursivschrift hervorgehoben4.

  1. Gefährlich waren die Websites offensichtlich primär für Arcors Geldbeutel - aber gefährlich bleibt eben gefährlich, auch wenn die Filter nicht mehr greifen… []
  2. Der männliche Teil meiner Leserschaft wird natürlich jetzt zu Recht anmerken, dass Männer doch sowieso genetisch für diese Art der Abhängigkeit konzipiert sind. Das ist natürlich richtig - aber trotzdem hat das auf einer Blümchenwiese nichts zu suchen und ist daher moralisch verwerflich []
  3. Oder es könnte es zumindest sein, wenn wir nur kurz mit dem Denken aufhören könnten - aber dahin kommen wir auch noch. Wahrscheinlich in der nächsten Phase des Projekts… []
  4. Kinder, Kinder. Nach diesem Artikel fühle ich mich wirklich seltsam. Ich bin froh, dass ich noch nicht gefrühstückt habe, sonst müsste ich das jetzt wohl alles wieder hochwürgen. Ich mache mir erstmal nen Tee… []
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Es gibt Beiträge, die sind diesem hier irgendwie ähnlich. Nämlich diese:

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Bisher 6 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Ohne Sorgen

    Es wäre schön wenn man den Blog auch ohne dauernde neue Serversuche besuchen könnte …., Bot-Trap suckz und ist gegen die Anonymität im Internet ….

  2. Kommentar von Gordo

    Selbst wenn deutsche Anbieter Seiten sperren und deutsche Suchmaschinen die entsprechenden Suchanfragen blockieren wird es immernoch möglich sein, mittels Proxy-Server über das Ausland auf etwas zuzugreifen, was hier verboten ist.

    Diese Proxy-Server können dann natürlich auch wieder vom Netz genommen werden, aber ebenso schnell können es auch wieder neue geben - damit “blühen” diese Seiten dann so richtig auf und werden vor allem versteckt und immer schwerer auffindbar.

    Würde man nicht einfach alles radikal sperren, sondern dem Nutzer überlassen, was er sich ansieht und was nicht, kann er sich eine Meinung bilden und auch entsprechend handeln, weil ehrlich gesagt ist ja jeder neugierig und gewisse Sachen wie z.B. Pronographie wird man einfach nicht “totkriegen” - da werden immer neue Medien entdeckt - und wenn die CDs oder DVDs dann eben persönlich ausgetauscht werden!

  3. Kommentar von William

    Also ich finde ja das Terroristen mehr Pornos brauchen. Dann würden die Ihre Hände für etwas anderes benutzen als Bomben bauen. Heheh, naja vielleicht würden die dann Sexbomben bauen. *grins*
    Oder eben PornoTerroristen - statt bomen in Bahnhöfen zu Züden würden die Nackt durch die Stadt laufen und Hardcore Pornos verteilen.
    Alles viel besser als die jetzige Situation. =)

  4. Kommentar von CS

    Die “reale Mauer” ist in der heutigen Zeit wirklich nicht mehr machbar.

  5. Kommentar von Rick

    Vielleicht sollte man an dieser Stelle nicht vergessen dass viele der heutigen Nachwuchsdiktatoren und Apparatschiks noch zu jung waren als zuletzt Mauern gebaut und eiserne Zäune gezimmert wurden um das Volk zu schützen. Da besteht wieder enormer Nachholbedarf.
    Verflixterweise ist Europa aber nun bereits sehr groß. Und so eine reale Mauer entsprechend teuer, obwohl das ein tolles staatliches Infrastrukturprogramm wäre. Daher werden heutige Mauern besser per Dekret erlassen und im virtuellen Raum gebaut. Wer die umgehen will muss vermutlich dann über SAT-Verbindung mit einem nordkoreanischen Provider surfen um dann über den Kim-municator zu jenen Infos zu kommen die für Europäer verboten sind…

  6. Pingback von Arcor nahm Porno-Sperre zurueck! » Zensur, Links, Blog, Trackbacks, Kommentare

    […] www.drekhead.com/2007/09/18/zensur-findet-nicht-statt/ (Zensur findet nicht statt) […]

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