Von Onkel Loco, 1. September 2007, 10:48 Uhr

Schon mal darüber nachgedacht, was unsere Politiker dazu qualifiziert, ihren Job zu machen? Wahrscheinlich nicht. Warum auch. Es ist so selbstverständlich, dass diese Damen und Herren einfach da sind und das tun, was sie da eben tun.

Natürlich sind wir eher selten mit dem Einverstanden, was in der Politik so passiert - aber schließlich sind das unsere gewählten Volksvertreter und die müssen eben tun, was zu tun ist. Wenn man nun aber einmal kurz darüber nachdenkt, fällt einem auf, dass es für so eine wichtige Funktion innerhalb unserer Gesellschaft keine wirkliche Ausbildung gibt. Wie können wir also auf die Idee kommen, dass allein eine Wahl auf Seiten der Politiker eine ausreichende Kompetenz erzeugt? Klingt doch irgendwie unsinnig.

Nachdem in den USA der Präsidentschaftswahlkampf langsam in die Gänge kommt, taucht unter den Kandidaten auch wieder eine bestimmte Bevölkerungsgruppe auf, die sich, bei näherer Betrachtung, vielleicht gar nicht so schlecht zum Politiker eignet: die Schauspieler.

Berufsausbildung

Natürlich haben fast alle Politiker einen Beruf gelernt. Die meisten haben sogar studiert. Es ist also berufliche Qualifikation vorhanden. Es stellt sich nur die Frage, ob das gelernte in der späteren Tätigkeit auch von Nutzen ist. Wenn jemand den ehrenwerten Beruf des Bäckers erlernt, ist er ja später auch nicht qualifiziert, Fahrlehrer zu werden.
Es bedarf also einer Ausbildung, die in der späteren Tätigkeit von Nutzen ist. Und hier drängt sich das Berufsbild des Schauspielers förmlich auf, da diese Ausbildung fast alle Aspekte des Politikerlebens abdeckt.

Klassisches Schauspiel

Im Leben eines Politikers kommt es sehr häufig darauf an, in viele Rollen schlüpfen zu können. Da sind zum Beispiel die Rollen des »führungsstarken Hardliners«, des »um die Bürger besorgten Volkspolitikers« oder des »entrüsteten Oppositionellen«.
Hier ist eine abgeschlossene Schauspielausbildung eine wahre Trumpfkarte, ist es doch für einen jeden Politiker wichtig, zu jeder Stimmung innerhalb des Volkes, die passende Darstellung anzubieten.

Tiefe Gefühle

Jeder Politiker muss in der Lage sein, seine Gefühle passend zur politischen Situation auszudrücken. So ist bei wichtigen Staatsempfängen eine ernste Miene und ein würdevoller Blick dringend erforderlich. Auch emotionale Extremsituationen dürfen diese Situation nicht außer Kontrolle geraten lassen - das Gesicht muss Würde ausstrahlen, auch wenn die neue Intimfrisur juckt und die Vorfreude auf das Spekatakel der fleischlichen Genüsse, die zu Ehren des Staatsgastes am Nachmittag im Hotel zelebriert werden, übermächtig zu werden droht. Hier ist das Talent des professionellen Schauspielers gefragt.

Wohlwollen des Volkes

Der Beruf des Politikers wird im Volk immer unpopulärer. Niemand ist wirklich davon überzeugt, dass ein Politiker seinen Job wirklich gut macht. Auch hier könnte eine Schauspielausbildung Abhilfe schaffen. Wenn von vornherein klar wäre, dass es sich bei den Politikern um Schauspieler handelt, die ein großes Theaterstück zur Unterhaltung des Volkes aufführen, wäre vielen Politikern die Gunst des Volkes sicher.
Logischerweise wird niemand einem Schauspieler vorwerfen, seinen Job zu gut zu machen und den Zuschauer an der Nase herumzuführen - dafür ist ein Schauspieler ja da. Endlich könnte ein jeder Politiker sagen: »Na klar. Ich spiele Euch hier ein gewaltiges Theater vor. Die Notwendigkeit der Terrorismusbekämpfung steht im Drehbuch. Natürlich entspricht das alles nicht der Wahrheit - aber meine Rolle sieht das so vor.«
Könnte irgendjemand diesem Politiker ein Fehlverhalten vorwerfen? Mit Sicherheit nicht.

Prä-politische Bekanntwerdung

Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt auf der Haben-Seite des Schauspielerkontos ist mit Sicherheit die Popularität eines Schauspielers. Da viele Schauspieler aus Filmen und Serien bereits einen sehr hohen Bekanntheitsgrad im Volk erreicht haben, wären keine teuren Wahlkämpfe mehr erforderlich. Die Parteien wären also in der Lage, die gesamten Bestechungsgelder Parteispenden in die Drehbuchentwicklung zu investieren, was schlussendlich dem Volk zu gute käme.
Zusätzlich bekäme der »Wahlkampf« im Fernsehen dem TV-Programm zu Pass. Ein Politiker wäre gezwungen, in einer hochwertigen Produktion zu spielen, um ausreichend Wählerstimmen auf sich vereinigen zu können. Drittklassige Schauspieler in drittklassigen Serien wären bei den Wahlen nahezu chancenlos und durch diese Art der Selektion wären Serien wie »Unter uns« oder »Marienhof« schlicht unmöglich.

Der Erfolgsgarant

Ihr seht also, dieses System wäre tatsächlich ein Garant für den Erfolg eines Politikers. Schauspieler in der Rolle von Politikern brächten dem Volk also unbestreitbar große Vorteile. Natürlich würde die poltische Entwicklung eines Landes nicht direkt von diesem System profitieren - eine Verschlechterung der Situation ist aber auch nicht zu erwarten1. Der Wähler erhielte aber zumindest genau das, was er erwartet und wofür er bezahlt hat2.

Umsetzung nicht in Sicht

Stellt sich zuletzt natürlich noch die Frage, warum dieses perfekte System bislang keine Verwendung findet. Warum verzichten wir freiwillig auf diese gewaltigen Vorteile? Warum lassen wir uns das ganz große Kino entgehen und sehen uns stattdessen tagtäglich dieses niveaulose Volks- und Bauerntheater an?
Die Antwort finden wir - wie sollte es anders sein - in einem Film. Der Mensch scheint wohl nicht für eine perfekte Welt geschaffen und könnte ohne die tägliche Dosis Unglück niemals lange glücklich sein, was nach kurzer Zeit zum Zusammenbruch des Systems führte.

  1. vgl. Arnold S., Gouverneur von Kalifornien, U.S.A. []
  2. Der Begriff »Steuer« könnte im Zuge der Umstellung des Systems in den mit weniger negativen Konnotationen belasteten Begriff «Monats-Abo« gewandelt werden. []
Soziale Einrichtungen:Social News & Social Bookmarking. Sonst nichts.
  • mrwong
  • Yigg
  • digg
  • del.icio.us
Es gibt Beiträge, die sind diesem hier irgendwie ähnlich. Nämlich diese:

Tags zum Beitrag: , ,

Kommentiere den Artikel oder setze einen Trackback

Bisher 5 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Karl

    Weiß doch mitlerweile schon jeder, dass Politiker ein Synonym für Schauspieler ist.

  2. Kommentar von Onkel Loco

    Ich finde, Politiker sollten auch offiziell Schauspieler genannt werden - dann wäre die Verunsicherung in der Bevölkerung nicht mehr so groß…

  3. Kommentar von Lupe

    politiker sind grundsätzlich schauspieler, vorallem wenn ein mirko oder eine kamera winkt. nur oft zum glück für uns, grottenschlechte. inbesondere wenn ich an bush, stoiber oder unseren bundesrat blocher denke. allerdigns macht dieser schauspielerische dilenttantismus sie leider einem teil der bevölkerung irgendwie sympathisch. man schätzt promis, die nicht perfekt sind, so irgendwie menschlich daher kommen.

  4. Kommentar von Peter Harder

    Was ist eigentlich mit dem Wort ’sollten’ im Titel gemeint? Ich dachte Politiker sind Schauspieler. Es gibt doch auch mehrere amerikanische Präsidenten die sehr erfolgreich in Hollywood waren. Ich glaub das ist nur eine Art Berufskodex das Politiker nicht in Mitspielen da es dann ja den Leuten viel einfache fallen würde sie zu durchschauen. Das beste Beispiel ist doch ein gewisser Politiker aus Bayern der sich mal zum Thema Problembär ausgelassen hat. Ich finde so etwas schafft nur ein extrem guter Schauspieler.

  5. Kommentar von Christian Schmidt

    Ist nur die Frage ob sie als gute Schauspieler gelten ^^

Kommentiere den Artikel



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen

E-Plus Online-Shop

Statistikpixel Yigg