Na? Schonmal in einer Zwickmühle gesteckt? Nicht? Keine passende gefunden? Na dann habe ich hier vielleicht eine für Dich. Ich stecke da nämlich mittendrin. Und schuld daran ist die ARD. Die haben nämlich am Sonntag eine Dokumentation gezeigt. Die hieß »Volk im Rausch - Saufen wir zu viel?«.
Prinzipiell ist Alkoholsucht für mich kein Thema. Ich trinke nämlich fast nie - auch wenn sich einige Texte hier anders lesen… Aber darum soll es hier ja auch nur am Rande gehen, denn das, was mich in der oben erwähnten Zwickmühle festgesetzt hat, hat nur am Rande damit zu tun.
Aber ich will mal von vorne anfangen. Das macht es sicher leichter, mir zu folgen…
Es begab sich zu einer Zeit…
Sonntag. Ich hänge auf der Couch rum. Der Fernseher läuft. Zapping-Time. Bei der ARD bleibe ich hängen. Eine Dokumentation. Alkohol und Rausch sind die Themen. Klingt spannend. Ich schaue weiter.
Der Reporter interviewt Jugendliche. Flatrate-Parties. Alle breit wie Kinoleinwände. Sie lallen halb unverständliche Dinge - nur »saufen« und »Party« sind zu verstehen. Viele erzählen, sie wären jedes Wochenende voll. Mindestens. Keiner glaubt, er wäre in Gefahr, alkoholkrank zu werden. Der Zuschauer hat da einen ganz anderen Eindruck.
Schnitt. Soll doch mal die Alkoholindustrie zu Wort kommen. Der Reporter stellt eher unbequeme Fragen. Soll die Alkoholindustrie nicht vielleicht sinnvollerweise an den Kosten der durch Alkoholsucht entstehenden Schäden beteiligt werden? Ist Alkohol nicht viel zu billig?
Die Lobbyisten reden sich heraus. Formulieren ausweichende Antworten. »Zuviel gesetzliche Regulierung… Mehr Verantwortung für den mündigen Bürger…»
Halt! Stop! Was soll das denn jetzt?
Und da ist sie: meine Zwickmühle. Ich war doch schon immer gegen allzu tiefgreifende gesetzliche Regulierung. Ich war doch schon immer für mehr Eigenverantwortung. Und jetzt? Jetzt kommen da einfach so ein paar Lobbyisten daher und schlagen mich mit meinen eigenen Waffen? Kann doch nicht sein.
Natürlich ist Eigenverantwortung was Feines. Aber immer und überall? Und vor allem, wenn es doch so offensichtlich nicht funktioniert… Ich habe doch gerade Bilder von Menschen gesehen, die völlig am Ende waren, weil sie nicht vom Alkohol lassen können. Die kann man doch nicht hängenlassen. Da muss man was tun… Andererseits… Die haben doch mit dem Saufen freiwillig angefangen. Da hätten die doch auch wieder aufhören können. So viel Verantwortung muss sein. Schließlich ist man für sein eigenes Schicksal selbst verantwortlich - oder doch nicht?
Wenn man die Verantwortung für den Umgang mit Alkohol in die Hände des »mündigen Bürgers« legt, kann man dann an der Stelle aufhören und an anderer Stelle regulieren? Was ist denn dann mit Kokain und Heroin? Müsste man die dann nicht auch legalisieren und auf den verantwortungsvollen Umgang damit vertrauen? Klingt für mich nach einer schlechten Idee…
Auf der anderen Seite… Beim Tabak wird reguliert. Für mein Empfinden sogar überreguliert. Aber liege ich da mit meiner Einschätzung richtig?
Aus der Nummer kommt man nicht mehr raus…
Und jetzt stehe ich da. Überlege hin und her. Wo ist Schluss, wenn man erstmal mit dem Regulieren angefangen hat? Wo fängt man an staatlich einzugreifen, wenn überhaupt? Was sind Drogen? Was nicht? Ist Kaffee schon zuviel? Was ist mit Schokosucht?
Das ganze Thema ist wie eine Hydra - für jede Frage, die man beantwortet, wachsen zwei neue Fragen nach. Mindestens zwei. Nur eins ist mir beim Überlegen bisher klar geworden: es ist eine Unverschämtheit, dass die ARD mich auf derart infame Weise mit meinen eigenen Rundfunkgebühren in den Wahnsinn treibt…






Kommentar von Yoga Tobi
2 21. Oktober 2007, 01:43 Uhr |
Warum sie rauchen? Weil sie abhängig sind! Vorallem “mündige Bürger” ist in dem Zusammenhang aus dem MUnd von Lobyisten auch Verarschung, die versuchen doch mit allen Mitteln ihr “Stöffche” an den Mann zu bringn - Die Werbung zielt zu genau auf tiefe Sehnsüchte ab. Und bekommen die Leute dann in Problem, dann warn sie eben nicht aufmerksam genug…ich find das scheinheilig. Aber so ist die Welt nun mal - wir können nur versuchen es im kleinen besser zu machen - Verantwortung für uns und auch ein Stück weit für Freunde und Familie und vielleicht auch mal nen Fremden übernehmen…Wir sitzen alle im selben Boot
Kommentar von Oberstinker
1 4. Oktober 2007, 13:48 Uhr |
Von wegen mündiger Bürger. In dieser Gesellschaft wirst du doch schief angesehen, wenn du nicht säufst. Das fängt schon im Elternhaus an, normal ist abends mal Bier und auf Partys sich die Kante geben. Komisch ist es nicht wenn du regelmäßig trinkst, sondern wenn du keinen Alkohol trinkst. Und das sollen alles mündige Bürger sein? Ich finde das der Alkohol richtig hoch besteuert werden müßte und wie in den skandinavischen Ländern nur in speziellen Läden erhältlich sein sollte. Und außerdem frage ich mich doch immer wieder warum mündige, vernünftige Menschen rauchen? Das macht weder glücklich wie Schokolade noch wach wie Kaffee.