So langsam wird das Leben in eine Demokratie zum Extremsport. Jeden Tag stürzen neue Meldungen über drohende Katastrophen größeren und kleineren Ausmaßen über uns ein, die sich natürlich nur durch tiefgreifende staatliche Regulierung in den Griff bekommen lassen. Sagt man. Immer und immer wieder sagt man das. Es muss wohl also was dran sein.
Hallo Herr Panik! Könnten Sie kurz zur Seite gehen?
Wenn man es aber schafft, für einen kurzen Augenblick die andauernde Panik zurückzulassen und von einem Punkt jenseits jeder Panik einen verstohlenen Blick auf die Geschehnisse zu werfen, wird man doch überrascht.
Meistens ist nämlich alles halb so wild. Theoretisch natürlich und vom Standpunkt des Durchschnittsbürgers aus. Wild wird’s erst, wenn jemand in Industrie oder Politik eine Möglichkeit sieht, aus der einen oder anderen Katastrophe Profit zu ziehen. Dann wird’s wild. Dann müssen die grauen Zellen angestrengt werden. Dann muss gehandelt werden. Dann muss man kreativ werden. Und da macht es auch nichts, wenn die Ausführung der genialen Idee zu einem Ritt durchs Wilde Absurdistan wird - das ist der Bürger aus der Fernsehwerbung ja nicht anders gewohnt.
Die Panik hat Methode. Schon immer.
Nehmen wir als Beispiel mal die latent schwelende Gefahr des internationalen Terrorismus. Den gibt’s schon ewig. Immer schon haben Menschen anderen Menschen ihre Ansichten mit Gewalt aufzudrängen versucht1. Okay - im Mittelalter ist internationaler Terrorismus schwerer gewesen, weil einfach die Mittel fehlten, aber er war da. Auch die Taktik, den Bürger über das Stilmittel der Panik gefügig zu halten, war schon immer sehr im Trend2. Diese Methoden sind also grundsätzlich sehr erfolgreich und ihr Erfolg ist empirisch belegt.
Was, liebe Freunde der Geisterbahn, liegt also näher, als Gewalt und Panik auch heute noch dazu zu verwenden, die öffentliche Meinung in eine bestimmte Richtung zu drücken?
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert…
Mal angenommen, ich wollte der Präsident der USA werden und meine Chancen stünden schlecht, weil das Charisma mich nicht leiden kann und meine öffentlichen Auftritte seltsamerweise eine Abneigung gegen Schimpansen im Volk erzeugen. Was mache ich denn dann? Ich stehe doch unter Druck, weil mein Vater mir gesagt hat, er würde mir den Hintern versohlen, wenn ich nicht in seine Fußstapfen trete.
Dann gibt’s für mich natürlich nur eines: Ich mache Euch Angst. Und zwar ganz ordentlich. Natürlich sollt Ihr keine Angst vor mir haben, sondern viel lieber vor der »Achse des Bösen«, vor der nur ich Euch beschützen kann, weil John Wayne im Vergleich zu mir ein Weichei war3. Super Taktik. Das funktioniert.
Jetzt wo ich der Präsident bin4 komme ich aus der Nummer blöderweise nicht mehr raus. Das Volk will Blut sehen. Na, von mir aus. Fangen wir halt nen Krieg an. Das ist vielleicht garnicht so verkehrt. Das haben doch alle gemacht. Außerdem ist’s gut für die Wirtschaft und ein paar Vertreter der Waffen-Lobby als Verbündete können niemals schaden…
Nach Jahren meiner Amtszeit stelle ich fest, wie erfolgreich mein Konzept eigentlich ist. Ich war so unglaublich geschickt! Ich habe ein System eingeführt, das die Bevölkerung jederzeit (Rund um die Uhr!!!) über den Stand der Bedrohung in Kenntnis setzt. Das hat alles so viel leichter gemacht. Außerdem ist mein Konzept schon so erfolgreich, dass gleich ein ganzer Haufen anderer Nationen auf den Zug aufgesprungen sind. Ja. Stimmt schon. Eine große Wahl habe ich ihnen nicht gelassen. Aber die Versuchung mit »Sei unser Freund oder Teil der Achse des Bösen« war einfach zu groß. Und außerdem hat’s ja funktioniert…
Etwas sauer bin ich heute natürlich schon. Meine Stimmungswerte sind auf dem absteigenden Ast und in anderen Ländern, wie England und Deutschland, setzen die meine Ideen besser um, als ich das gemacht habe. Mistpack. Das sind auch bloß Terroristen.
Ich muss mir unbedingt etwas ausdenken, um die Meinung, die mein Volk von mir hat wieder aufzupolieren. Fast habe ich das Gefühl, die Spinner gewöhnen sich an die Angst. Es ist wohl besser, ich zeige denen mal wieder, wie das mit der Angst funktioniert. Der Terrorismus braucht eine neue Dimension. Das sprengen von Hochhäusern ist einfach zu abgenutzt. Städte müsste man sprengen. Naja. Vielleicht reicht es ja erstmal, den Leuten zu erzählen, jemand hätte vor Städte zu sprengen. Wenn das nichts hilft, dann kann ich ja immernoch…
Was bin ich froh…
…dass das hierzulande alles nur im Kleinen stattfindet. Kofferbomber, Gasflaschen. Geradezu lächerlich. Andererseits ist in Europa die Taktik feiner, subtiler, ja geradezu still. Hier in Europa braucht es keine Bedrohung mit der Waffe in der Hand. Das scheint auch irgendwie nicht so richtig zu funktionieren. Die Leute wollen psychisch unter Druck gesetzt werden. Sie wollen in ihrer Existenz bedroht sein. Hier geht es nicht um die Bedrohung des Lebens - hier wird das bedroht, was wirklich zählt: das Geld.
Aber jetzt kommt das große Kunststück: Wie zieht man dem Bürger, dem man mit dem Verlust seines Geldes droht, das Geld aus der Tasche, ohne dass er protestiert? Easy. Zuerst bastelt man ein Schreckgespenst und gibt ihm einen einprägsamen Namen - Hartz 4 klingt doch gut. Dann trichtert man den Leuten ein, sie müssten sich von diesem Schreckgespenst bedroht fühlen5 und bringt sie dazu aus Furcht vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes nicht mehr krank zu werden, bei Lohn und Gehalt zurückzustecken und dafür etwas mehr zu arbeiten.
Das bringt den Stein ins Rollen. Wer viel arbeitet ist zu müde zum protestieren. Zum Beispiel gegen Steuererhöhungen. Jetzt ist die Bevölkerung da, wo man sie haben will. Jetzt kann man alles schaffen. Wenn’s sein muss kann man Ihnen sogar die Gefahr des internationalen Terrors unterschieben, wie es der Cowboy von der anderen Seite des großen Wassers will6.
Vorsicht! Virtuelle Realität!
Natürlich verdient die außerordentlich Leistung der Regierung großen Respekt, denn Sie haben etwas geschafft, was nicht einmal die herrschenden Maschinen in »Matrix« geschafft haben: Sie halten den Bürger in einer virtuellen Realität, ohne dass er aufwacht.
Sie halten den Bürger betäubt mit der perfekten Mischung aus Furcht und Freude, Zuckerbrot und Peitsche und waren bisher durchgehend in der Lage alle Tendenzen zu Extremen abzufedern7 und ein perfektes Gleichgewicht zu halten. Das kann nicht jeder. Der Cowboy zum Beispiel. Da wird das, was als ruhiger Ausritt geplant war ja mehr und mehr zum Rodeo…
Und jetzt?
Apropos Rodeo. Ich muss was gegen das Rodeo in meinem Kopf machen. Ich werde wohl Tabletten schlucken müssen8. Oder ich werde mich verstecken müssen. Damit mich niemand findet, der weiß, was ich weiß. Oder ich tarne das als Mischung aus Paranoia und Wahnsinn und behaupte, das sei alles als Satire gedacht gewesen.
Vielleicht ist das die beste Idee. Klingt doch sowieso alles so bescheuert, dass es nicht wahr sein kann…9
- Der Mensch scheint in der Tat zu diesem Verhalten zu tendieren. Ich erinnere mich noch gut an einige »Diskussionen« im Kindergarten, die erst unter Zuhilfenahme einer Schaufel zu einem zufriedenstellenden Ergebnis geführt werden konnten… [↩]
- vgl. hierzu Hexenverbrennung, Inquisition und sogar das Modell »Sünde« [↩]
- Wenn ich mit der Taktik etwas früher angefangen hätte, hätte ich zu Gewinn der Wahl nicht behaupten brauchen, ich hätte gewonnen, obwohl ich das nicht hatte, sondern ich hätte tatsächlich regulär gewonnen - but who cares? [↩]
- Nein. Bin ich natürlich nicht. Reg’ Dich nicht auf!
[↩] - Okay. Stimmt schon. Hier hat die Regierung ihre Arbeit so gut gemacht, dass Hartz 4 eine wirklich ernstzunehmende Gefahr für Leib, Leben und Existenz ist… [↩]
- Ganz nutzlos ist das ja auch nicht, wenn man damit an möglichst viele Informationen über die eigenen Bürger kommt. [↩]
- vgl. Fussball-WM 2006 in Deutschland und zugehöriger Motivationsschub im vorherrschenden Stimmungstief. Elegant, elegant… [↩]
- Solange ich die Dinger noch nicht genommen habe, kann ich noch behaupten, die wären der Beitrag der Pharmaindustrie zum Gleichgewichtssinn… [↩]
- Die Bilder stammen von pixelio.de [↩]






Kommentar von Wolfgang
2 18. August 2007, 18:59 Uhr |
Augen und Ohren zu … und durch!
Oder in Google folgendes suchen: “Auf ein Wort”
Kommentar von Technoman
1 16. August 2007, 12:54 Uhr |
hier meine Spekulationen an die ich glaube und definitiv wahr werden wenns so weiter läuft ..
http://worldwar3.blog.de/
das Terrorszenario ist Teil der Neuen Weltordnung von George Freimaurer Bush …..
weltregierung mit allen mitteln das ist sein parteiprogramm………… dafür wird dann 2009 .
ne inflation inszeniert …………….der 3. kommt definitiv . für mich gibts keinerlei zweifel daran ….