Von Onkel Loco, 28. Juni 2007, 16:56 Uhr

In den letzten Tagen kam es bei YiGG mal wieder zu einem Disput zwischen YiGGlingen. Das Thema war wie eigentlich immer bei sehr hitzig geführten Debatten bei YiGG nur ein Einziges: Suchmaschinenoptimierung (SEO). Da geht es stellenweise schon sehr heiß her und die Diskussion nimmt teilweise Züge religiöser Debatten an.

Das soll für mich jetzt mal als Grund genügen, meine Meinung zum Thema Suchmaschinenoptimierung kundzutun. Eines vorweg: SEO - find ich gut.

Also: wie sehe ich SEO?

Für mich bedeutet SEO Besuchern und Robots (und zwar in dieser Reihenfolge) einen ungehinderten Zugang zu von mir erstellten Webseiten zu verschaffen, wobei eines meiner Ziele natürlich die Generierung von qualitativ hochwertigem Traffic ist.

Das klingt zunächst natürlich so, als wäre der Besucher der Website nur Mittel zum Zweck. Zu dem Zweck nämlich, etwaige Einnahmen zu generieren und auszubauen. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit, denn natürlich will jeder Unternehmer, der bestrebt ist, sein Geschäft rentabel zu betreiben vor allem das Geld seiner Kunden, aber das bedeutet ja nun nicht, dass eben dieser Unternehmer versucht, der Kundschaft das Geld mit unlauteren Mitteln aus der Tasche zu ziehen.

In Hinblick auf die Suchmaschinenoptimierung bedeutet das also, dass ich zum Einen eine gute Positionierung in den Suchergebnissen zu Keywords erreichen muss, die für mein Produkt relevant sind, ich aber zusätzlich dem Besucher der Website einen klaren und eindeutigen Nutzen bieten muss. Schliesslich kommen die wenigsten Geschäftsleute auf die Idee, ein Geschäft in der hintersten Ecke eines Industriegebiets zu eröffnen, es anschliessend mit Sträuchern zu tarnen und von einer durchgehenden 6 Meter hohen Mauer ohne Tor zu umgeben.

Also zusammengefasst: Wenn ich meine Dienstleistung / mein Produkt anbieten will, muss man mich finden können und die Usability der Seite, sowie der angebotene Content muss gut sein.

SEO = Verbesserung der Usability?

Schön und gut, werden einige jetzt sagen, aber wo ist da die Suchmaschinenoptimierung? Ganz klar: der größte Teil der (onPage-)Suchmaschinenoptimierung verbirgt sich hinter dem Schlagwort Usability.

Nehmen wir als Beispiel die Navigation auf der entsprechenden Website. Viele von Agenturen erstellte Websites lassen erkennen, dass diese Agenturen ihren Ursprung im Print-Bereich haben, oder dass in diesen Agenturen die Websites von (Grafik-) Designern erstellt werden. Und gerade diesen Leuten fällt während der Erstellung der Website auf, dass sie die von ihnen gewählten Schriftarten nicht verwenden können, was sie dazu verleitet, die Hauptnavigation aus Grafiken zu erstellen, oder zur Navigation schicke Flash-Animationen zu verwenden. Das sieht zwar schick aus, ist aber der Usability abträglich und sperrt auch noch Besucher aus (zum Beispiel Blinde, die sich die Website per Reader vorlesen lassen).
Ersetzt man jetzt diese Navigation durch Textlinks hat man diese Hürde der Bedienbarkeit der Website schon umgangen - und hat die Seite gleichzeitig suchmaschinenoptimiert, ob man das wollte, oder nicht.

Ähnliches gilt für die Verwendung von aussagekräftigen Seitentiteln, meta-descriptions, alt-Tags und einer vernünftigen Seiteninternen Linkstruktur: was hier gut für den Besucher ist, ist auch gut für die Suchmaschinen.

Bei der Regel “Gut für den Besucher == Gut für die Suchmaschine” gibt es allerdings eine Ausnahme: Synonyme. Während Menschen die häufige Wiederholung nicht sehr schätzen, sehen Suchmaschinen die Thematik eher nach dem Motto “was häufig vorkommt, ist auch relevant und Synonyme können mich am Ar*** lecken”. An dieser Stelle ist der SEO gefragt, den Inhalt so zu gestalten, daß zunächst (!!) der Besucher leicht mit dem Text zurechtkommt und trotzdem die Keywords in entsprechender Häufigkeit vorkommen. Hier ist sprachliches Geschick gefragt (welches zugegebenermaßen relativ oft zu fehlen scheint).

Beim onPage-Teil der Suchmaschinenoptimierung ist es also im Prinzip so, dass sich der SEO auch Usability-Verbesserer nennen könnte - wenn SEO nicht so schön kurz wäre.

Ich denke, bis zu diesem Punkt werden mir die meisten YiGGlinge (und natürlich auch meine Leser hier) zustimmen, dass SEO sich in dieser Hinsicht lohnt (sofern der SEO nicht mit Worten und Grammatik auf Kriegsfuß steht) und dass an diesem Teil der Suchmaschinenoptimierung nichts auszusetzen ist, wo doch hauptsächlich die Usability und Barrierefreiheit einer Website verbessert wird.

OffPage-Optimierung = Spam=

Problematisch wird es beim weitaus größeren Teil der Arbeit eines SEO: der offPage-Optimierung. Denn das scheint mir der Teil der SEO-Arbeit zu sein, die den meisten SEO-Skeptikern sauer aufstößt. Aus meiner Sicht ist das auch kein Wunder. Schliesslich wird der SEO, der um themenrelevante Backlinks bemüht ist häufig von denjenigen in Verruf gebracht, die versuchen, ihre plumpen, zum großen Teil aus Keywordsammlungen bestehenden Texte mit Links zu versorgen, um durch ein paar Klicks auf ihre AdSense-Werbung ein paar Kröten zu verdienen. Das ist auch aus meiner Sicht Spam. Und nicht nur das - das ist aus meiner Sicht auch schlichte Möchtegern-SEO-Stümperei.

(BTW: Ich für meinen Teil kann mich nicht daran erinnern, dass auf YiGG jemals ein YiGGer, der sich ernsthaft mit dem Thema SEO beschäftigt, solch einen Beitrag eingestellt hätte. Natürlich wurden schon oft Beiträge eingestellt, deren Informationsgehalt gegen Null tendierte, der dafür aber vor Keywords nur so strotzte - aber eben nicht von den so häufig kritisierten SEOs, sondern eben schlicht und einfach von Spammern, die sich genau zu diesem Zweck einen Account eingerichtet hatten… Jetzt aber mal zurück zum Thema - und falls da jemand meint, ich hätte etwas übersehen, bin ich natürlich für Korrekturen offen.)

Was aber tut ein SEO, der nicht der Versuchung erliegt, den vermeintlich leichteren Weg des Suchmaschinen-Spammings zu gehen? Er schreibt und veröffentlicht gute und informative Beiträge. Er macht auf guten Content aufmerksam (und erhält so auch Links) und nutzt sein bereits vorhandenes Portfolio an themenaffinen Seiten. Vielleicht wird auch mal der eine oder andere Link getauscht, vielleicht auch nicht. Aus meiner Sicht ist hier die Qualität Trumpf, nicht die Quantität.

Und? Ist Suchmaschinenoptimierung jetzt Teufelswerk?

Stellt sich jetzt noch die Frage, ob das Ganze jetzt wirklich Teufelswerk ist. Werden so Seiten “unrechtmäßig” an anderen (vielleicht relevanteren) Seiten vorbeigemogelt? Wird der Suchmaschinennutzer und Webseitenbesucher auf diese Art und Weise betrogen (um was auch immer) oder ausgenutzt? Ich denke nein. Und warum denke ich so?

Die Sicht des Websitebetreibers

Setzen wir wieder bei dem Geschäftsmann von viel weiter oben an. Dieser Geschäftsmann wird natürlich versuchen, Besucher anzuziehen, die gerne die Produkte kaufen möchten, die er im Sortiment hat. Wenn er nicht völlig blauäugig an die Sache herangeht, wird er an promineter Stelle Hinweise auf sein Geschäft hinterlassen - am besten an solchen Stellen, die dafür bekannt sind, dass dort häufig potentiell an diesem speziellen Thema interessierte Besucher auftauchen (Auf das Internet übertragen wäre das natürlich eine Seite mit Suchmaschinenergebnissen zum passenden Thema). Da der Geschäftsmann aber jetzt nicht der Einzige ist, der Produkte dieses Typs anbietet und seine Hinweisschilder aufstellt, versucht er natürlich, sein Schild so zu positionieren, dass es optimal im Sichtfeld des Interessenten liegt (er versucht einen Platz in den Top 10 der Suchmaschinenergebnisse zu ergattern) und gibt dem Schilderaufteller Argumente an die Hand, das Schild gut zu positionieren. Wieso wartet der Geschäftsmann aber jetzt nicht einfach, bis die Interessenten sein Hinweisschild aufstellen und wegen guter Erfahrungen mit diesem Geschäft sein Schild freiwillig immer prominenter platzieren? Eigentlich auch ganz einfach: der Geschäftsmann kann nicht ewig warten und seinen Erfolg dem Zufall überlassen. Das wäre aus kaufmännischer Sicht der blanke Wahnsinn. Schliesslich muss er sein Ladenlokal bezahlen (Hosting) und auch sein Sortiment aktuell halten, evtl. Reparaturen an seinem Laden durchführen und er muss Personal im Laden haben, falls ein Kunde auftaucht (Pflege der Website, Aktualisierung der Website etc.). Das kann der Geschäftsmann beim besten Willen nicht ewig durchhalten - also muss es schnell gehen und das macht der SEO (wobei “schnell” hier seeeehr relativ ist…).

Und wer sorgt sich um den Besucher?

Wie aber wird jetzt der potentielle Kunde geschützt? Wie wird garantiert, dass der Interessent bekommt, was er will? Da gibt es gleich zwei Ansätze. Der Erste liegt in der Natur des Geschäfts des Geschäftsmannes. Der möchte ja seine Produkte verkaufen. Und diese Produkte kauft der potentielle Kunde nur, wenn er eine wichtige Eigenschaft mitbringt: Interesse. Dieses Interesse bekundet er dadurch, dass gezielt nach Wegweisern zum gewünschten Produkt fragt (er gibt den Suchbegriff in die Suchmaske ein und schlägt mit dem Kopf auf Enter). An dieser Stelle befindet sich dann der Wegweiser des Geschäftsmannes - und nur hier. Er will nämlich nicht den ganzen Tag Leute im Laden haben, die Kreissägen anbieten, wo er doch Lebensmittel verkauft. Das wäre schlicht sinnlos.
Ansatz zwei liefert der Betreiber der Suchmaschine. Der Betreiber dieses Wegweiseraufstellplatzes (um im Bild zu bleiben) räumt seinen Platz nämlich regelmäßig auf (okay, zugegeben: der Gute kommt da nur schleppend hinterher, weil die Verwirrschilderaufstellmafia Tonnenweise Schilder aus Flugzeugen abwirft, aber er gibt sich Mühe und wird auch immer besser darin, die guten von den schlechten Schildern zu unterscheiden) und sortiert die Schilder neu.

Jetzt werd’ endlich fertig mit dem Gequatsche!

Ich für meinen Teil kann da keinen Betrug drin erkennen. Und “unrechtmäßiges” Vorbeidrängeln sehe ich auch nicht. Das gilt natürlich nur solange, wie man zwischen SEOs und Spammern unterscheidet - trifft man diese Unterscheidung nicht (oder will man sie - aus welchen Gründen auch immer - nicht treffen), habe ich diesen ganzen langen Text vollkommen umsonst geschrieben und man wird durch bloßes Veröffentlichen eines eigenen Blogbeitrags mit dem YiGG-Plugin unweigerlich zum Spammer - schliesslich hat man sich selbst dadurch schon einen externen Link verschafft und beeinflusst somit das Ranking der eigenen Site in den Suchergebnissen.

Soziale Einrichtungen:Social News & Social Bookmarking. Sonst nichts.
  • mrwong
  • Yigg
  • digg
  • del.icio.us
Es gibt Beiträge, die sind diesem hier irgendwie ähnlich. Nämlich diese:

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Bisher 9 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Malte

    Also zumindest Google ist in der Lage auch Synonyme zu erkennen (Stichwort Stemming).
    Das ist sogar besser als eine unnatürlich hohe Keyworddichte zu haben.

  2. Kommentar von Sebastian

    Das Thema Suchmaschinenoptimierung ist so alt wie das Web. Man hat es damals nicht so genannt. Aber selbst 1996 war man schon auf Traffic aus den Sumas angewiesen. Was ich nicht mag, ist das Vollmüllen von Google mit automatisch generieren Textbausteinen o.ä. Aber “vernünftiges” SEO ist völlig legitim und auch sinnvoll.

  3. Kommentar von ritchie

    Ach was, die meisten Anti-SEO Beiträge sind….

    tötöröööö….

    LINKBAIT!

    Wer will schon Besucher von seiner Website aussperren? Ansonsten: Onkel Loco hat zu dem Thema eigentlich alles zusammengefasst, was es dazu zu sagen gibt.

  4. Kommentar von mcmarcdeluxe

    Ich finde ja die ewige SEO-Diskussion - dezent ausgedrückt - für den Arsch - macht eure Sites Suchmaschinenfreundlich - sammelt Backlinks - whatever, dass ist OK & GUT! Wer sich beruflich damit beschäftigt? Noch besser!

    Aber bitte hört auf darüber zu diskutieren.. echt super nervig, stimmt mir irgendjemand zu? Bestimmt nicht - egal.. ich bin ja auch nur ein kleines Licht.

    Wenn ich auf mister-wong, yigg usw. nur “Web 2.0″ & “SEO” sehe krieg’ ich das kotzen, sorry.

  5. Kommentar von Frank

    Prima erläutert & vor allem erfreulich, daß die Erläuterung nicht von nem hauptberuflichen SEO kommt.

    Vielleicht schnallt´s ja doch auch noch einer von den Yigg Anti-SEO–Pöblern (bin fast froh, wenn ich sowas lese, daß ich dort fast gar nix einstelle/mitkriege & seit meinem Blog-Umzug Anfang der Woche das Yigg WP-Plugin nicht mehr laufen will ;-)), daß nicht jeder Backlink-Sammler automatisch ein SEO ist - Amen - ich hoffe es folgt kein heiliger Kreuzzug ;-)

  6. Kommentar von Tadeusz Szewczyk

    Gute Zusammenfassung und auch nichts neues für Alle die sich nur ein wenig mit dem Thema SEO auseinandergesetzt haben. Das Problem ist einfach dass die Feindschaft einiger YiGGer nicht rational ist, sondern wie Du selber sagst eher eine Art religiöses Glaubensbekenntnis. Da helfen keine Argumente weiter, das habe ich mehrfach versucht und als Reaktion kam meistens der Versuch ich des Ladens zu verweisen oder zu mobben.

  7. Kommentar von Unterneuntupfing Aktuell

    Der wichtigste Satz steht bereits ganz am Anfang:
    … und die Diskussion nimmt teilweise Züge religiöser Debatten an.
    Etwas mehr Gelassenheit täte den ganzen Diskussionen gut. Und Differenzierung zwischen der Sache SEO und den Leuten die das vertreten. Suchmaschinenoptimierung ist gerade im gewerblichen Bereich eine stinknormale Dienstleistung, dafür gibt es seriöse Dienstleister genauso wie Kurpfuscher, wie in jeder anderen Branche auch.
    Und auch bei den Menschen die das betreiben gibt es zweierlei Typen : a) eben seriöse Handwerker und Fachleute und b) ein paar verrückte Kids die nur mehr Traffic sehen und diverse Mannbarkeitsrituale ausüben. Was die Zweiteren betrifft so mag es zwar lästig sein wenn die ihre fundamentalistischen Glaubenskriege und ihr ‘Spamming’ zB nach Yigg tragen, aber andererseits muss man auch sagen dass letzteres die Kids von der Straße holt. Sonst würden sie ohne Internet vermutlich waghalsige Mopedrennen durch die Innenstadt veranstalten oder ihren Missionierungsdrang bei irgendwelchen dubiosen politischen Bewegungen ausleben, dort würden die Jungs noch viel mehr Schaden anrichten. Die Gruppe der Nichtseriösen SEOisten verhalten sich eigentlich nur genauso wie ein Rudel Jungmännchen in einer beliebigen Spezies mit Fell - (Page)Rangkämpfe ohne tödliche Folgen gehören einfach dazu weil die Jungtiere schon mal üben müssen um später mal Alphamännchen zu sein in der Herde solange sie noch nicht dürfen. Erfahrene Alpha-Seologen beobachten das Treiben entspannt oder genervt und kümmern sich eher um ethisches SEO. Die paarungsfähigen SEO-Weibchen lassen die balgenden Jungtiere sowieso nicht an sich ran was halt manchmal ziemlich üble hormonelle Stauungen verursacht. Diese Stauungen müssen dann zB Yigg-Wildhüter (=Moderatoren) irgendwie in den Griff kriegen, aber das sind erfahrene Leute die mit läufigen Nachwuchstieren umzugehen wissen, auch wenn es zuweilen sicherlich sehr anstrengend sein muss…
    Mit freundlichen Grüßen
    Unterneuntupfing Aktuell

  8. Kommentar von Baynado

    Das ist mit abstande der beste Blogbeitrg zu dieser sensiblen Thematik. ich bin mal gespannt, was die SEO Kritiker dagen auszuwarten haben.
    Meiner Meinung nach gibt es hier auch kaum gegen Argumente. Die Leute die SEO als pures spamming verbrämen, haben keine Ahnung und wollen nur aus spaß an der Freude gegen SEO pöbeln. Bis jetzt habe ich auch noch kein sachliches Gegenargument gehört.

  9. Pingback von Erfolgreiches Bloggen ohne SEO?

    […] überhaupt mit dem Bloggen beginnt. [↩]SERPs - Search Engine Result Pages [↩]siehe auch: Suchmaschinenoptimierung - Teufelswerk? [↩]Die besten Plugins werde ich in Kürze vorstellen - die Artikel sind schon in der Mache […]

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