Von Onkel Loco, 10. März 2007, 17:18 Uhr

Um das gleich von vornherein klarzustellen: hier geht’s nicht um Luxusnahrung und um schwer exotisches Futter. Nein, hier geht’s um Dinge, von denen man meint, man könne sie überall bekommen.

Ich fange also einfach mal am Anfang an. Gestern wollte ich mal etwas anderes kochen. Was karibisches sollte es werden. Die Zutatenliste erweckte den Eindruck, als wären nur leicht zu beschaffende Dinge vonnöten, um mal etwas Abwechslung auf dem Speiseplan zu schaffen.
Also schnell einen Einkaufszettel geschrieben und losgerannt. Hähnchenkeulen, Piment, Nelkenpulver, Ingwer und grüne Pepperonis fehlten - der Rest war sowieso im Haus. Das konnte ja nicht so lange dauern.

Typischer Fall von falsch gedacht. An meiner ersten Station, dem örtlichen Extra-Laden bekam ich fast alles - aber eben nur fast. Frische grüne Pepperonis haben die leider nicht im Sortiment.

»Macht ja nix!«, habe ich gedacht, »Ist ja nicht weit bis zum Gemüseladen.« Also marschierte ich los. Die zehn Minuten laufen kann man für so ein gutes Essen ja in Kauf nehmen.

Am Gemüseladen angekommen folgte die Ernüchterung: grüne Pepperonis - nicht im Sortiment.

»Macht ja nix!«, habe ich gedacht, »Ist ja nicht weit bis zum Edeka.« Wir erinnern uns: die Edekas sind die, die im Fernsehen behaupten, sie liebten Lebensmittel und zu ihrem Jubiläum angeblich das Sortiment in der Frischeabteilung erweitert haben. Als ich den Laden betrat, stand ich auch direkt in Abteilung mit dem Frischgemüse - und ich konnte bequem alle Gemüsesorten mit dem ausgestreckten Arm erreichen, ohne auch nur einen Schritt machen zu müssen. Das war die kleinste Frischgemüseabteilung, die ich je gesehen hatte und von grünen Pepperonis fehlte - natürlich - jede Spur.

»Macht ja nix!«, habe ich gedacht, »Kannst ja mal die ganze Fußgängerzone runterlaufen - irgendwo wird’s die ja geben.« Aber auch das sollte sich als Irrtum herausstellen. In der Fußgängerzone gibt es keine grünen Pepperonis - nirgends.

Da ich allerdings noch nicht aufgeben wollte - der Hunger und die Vorfreude waren einfach viel zu gross - machte ich mich daran, die Stichstrassen der Fußgängerzone systematisch abzusuchen, bis ich schliesslich in der Seitenstraße einer Seitenstraße einen kleinen, türkischen Lebensmittelladen fand, der Pepperonis im Sortiment hatte. Ich hatte auch kaum eineinhalb Stunden gesucht…

Das Zubereiten der Hauptmahlzeit ging dann ziemlich schnell, als ich endlich wieder zu hause war. Und geschmeckt hat es auch hervorragend - wenn auch mit dem etwas bitteren Beigeschmack von unbeantworteten Fragen, die mir seit der Odysee durch die Einkaufsmeile im Kopf herumspuken.
Warum gibt es hier keinen Supermarkt, der Pepperonis verkauft?
Sind Pepperonis wirklich etwas so Außergewöhnliches?
Ab wie vielen Einwohner in einer Stadt, ist die kritische Masse erreicht, die die Supermarktbetreiber dazu veranlasst, auch solche »exotischen« Nahrungsmittel ins Sortiment aufzunehmen?
Behaupten die Fernsehköche immer, sowas bekäme man im Supermarkt, weil sie selber nie im Supermarkt einkaufen gehen, oder einfach weil es in Großstädten solche Artikel in Supermärkten tatsächlich gibt?. (Zum Vergleich: die Einwohnerzahl dieser von der Versorgung fast vollständig abgeschnittenen Stadt liegt bei knapp 170.000 [allerdings sind hier im Ruhrpott die Stadtgrenzen so fließend, dass man manchmal um einen Ort innerhalb einer Stadt zu erreichen besser durch die Nachbarstadt fährt / geht, weil’s einfach kürzer ist], die »Metropole Ruhr«, zu der Herne gehört hat 5,28 Mio. Einwohner, Hamburg hat 1,74 Mio. Einwohner.)
Wie kommt es, dass in der wesentlich kleineren Nachbarstadt Castrop-Rauxel (ungefähr die halbe Einwohnerzahl) sowas viel einfacher zu bekommen ist?
Warum werden hier Kochbücher mit exotischen Rezepten verkauft, die Käufer aber nicht vorab darauf hingewiesen, dass es ihnen unmöglich sein wird, die Rezepte nachzukochen, da die Zutaten vor Ort nicht käuflich zu erwerben sind (Hey! Hier gibt’s nicht mal frischen Koriander zu kaufen…)?

Fragen über Fragen und keine Antworten. Ich werde vermutlich meine Ernährung komplett umstellen. Spaghetti mit Tomatensauce und einfache Salzkartoffeln müssen hier im Ruhrpott wohl reichen…

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Bisher 13 Kommentare zum Artikel

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  1. Kommentar von acab

    moin,

    wenn du “exotische” lebensmittel brauchst,
    geh ma auf bosfood.de da findest du ne menge.
    ich glaub ab 50eus portofrei.
    ich glaub das kann deine “pottküche” revolutionieren.
    kannst ja mal drüber schreiben……

    bis denne

  2. Kommentar von Onkel Loco

    Habe den türkischen Laden ja auch schlussendlich gefunden - dummerweise nicht da, wo ich die ersten eineinhalb Stunden gesucht habe ;-)

  3. Kommentar von CountZero

    wenn du nen türkischen laden suchst, brauchst du doch nur ins türkische ghetto deiner ruhrgebietsstadt fahren. die gibts von duisburg bis dortmund doch nun wirklich in jedem größeren kaff.
    ich habe hier in essen (nordstadt, also nähe city) mindestens drei solcher läden in direkter laufnähe, bräuchte dafür noch nicht einmal ins auto steigen.

  4. Kommentar von Onkel Loco

    Das nächste mal, wenn ich spontan so Zeugs kaufen will, bestell ich den Kram dann beim Muffinman in Wien ;-)

  5. Kommentar von Muffinman

    Schau doch mal, obs in deiner Stadt einen Markt mit Stännden gibt. die haben meist alles was man braucht. Hier in Wien hab ich´s da sehr bequem, denn jedes Viertel hat min. einen Markt und auf dem Grössten nähe Zentrum gibt´s alles was man sich vorstellen kann. Von frischem Fasan über tausendjährige Eier, bis hin zu einem kleinen Stand mit einigen Hundert Gewürzen.

    Ach Übringens: IN wien gibts nen Laden der ist voll aug Kochbücher spezialisiert. Also falls du mal in Wien bist, guckst du hier: http://www.warmekueche.at/f_events/babettes.html bzw. hier http://www.babettes.at ;)

  6. Kommentar von Onkel Loco

    Die Peperoni haben 20 Cent pro Stück gekostet. Leider waren die Dinger nicht so scharf, wie ich gehofft habe. Das nächste mal frag ich mal nach scharfen Peperonis und kann dann gleich wieder heimgehen. Sowas will in Deutschland ja wirklich keiner essen…

  7. Kommentar von StoiBär

    Ich habe eine Woche heilfasten hinter mir und heute haben wir für eine ganz normale Gemüsesuppe eingekauft. Wir waren in der nächtgelegenen Kleinstadt und da ist samstags immer Bauernmarkt. Beim demeter-Bauern haben wir dann Kohl, Sellerie, Karotten, Kartoffeln und Lauch für 4,40 Euro gekauft. Die Menge reicht für 3 Mal kochen. Ich sag noch zu meiner Frau: Da siehst Du mal wie günstig man leben kann, wenn man fleischlos leben würde. Sagt sie: Letzte Woche hab ich die gleiche Portion im Supermarkt für 2 Euro gekauft.

    Was hast Du für Deine Pepperoni gezahlt? Wenn sich die ein Supermarkt ständig ins Sortiment legt, wird im Normalfall schätzungsweise 80% davon irgendwann weggeworfen, weil die Nachfrage zu gering ist. Folglich kriegst Du nur noch das, was immer geht. Es wird eben generell zu wenig gekocht. Und wenn, dann gibt es oft Fertiggerichte in den Häusern. Essen ist auch ein Lebensstil und gut Essen ein gewisser Luxus, den wir uns nicht mehr leisten wollen. Lieber gehen wir zu Burger King oder McDonalds und fressen Hamburger und Pommes. Schon mal überlegt, was Du für den Preis eines Maximenüs an anständigen Lebensmittel bekommen würdest? Aber ich bin abgeschweift. ;-) Wünsche Guten Appetitt! Und übrigens: Sport schadet ja auch nicht.

  8. Kommentar von Onkel Loco

    Und warum verstecken sich die türkischen Läden so? Die sind ja fast so schlimm wie die China-Läden. Von denen habe ich hier noch keinen einzigen gefunden - wenn man von dem Tabakladen absieht, den dieser kleine, immer freundlich lächelnde Mann betreibt. Peperonis hat der aber auch nicht…
    Selbst in Dortmund (das ist ja ganz hier in der Nähe) kenne ich nur zwei Läden mit asiatischen Lebensmitteln - aber 20 Kilometer für Peperoni fahren? Ich glaube nein…

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