Gestern habe ich »Wetten, dass…?« gesehen. Und ich glaube, es war das letzte mal.
Es fing schon damit an, dass die Gästeliste vermuten liess, es käme eine Wiederholung - von irgendwann aus den Neunzigern. Peter Maffay, Take That, Nina Ruge und Zucchero - diese Zusammenstellung hat’s da bestimmt auch schonmal gegeben.
Okay, das waren jetzt nicht alle Gäste - aber etwas verwirrt hat’s mich schon.
Vielleicht bin ich ja auch einfach nicht (mehr?) die Zielgruppe. Die Gäste langweilen mich, die Musik ist garnicht mein Fall und die flachen Sprüche von Herrn Gottschalk meine ich auch irgendwie schon alle gehört zu haben.
Fangen wir doch einfach mal vorne an, vielleicht kann ich ja irgendwie deutlich machen, was ich meine.
Zuerst wird mal wieder die Stadtwette vorgestellt: Friedrichshafen soll 50 als Borat verkleidete Mitbürger dazu bewegen, mit einem unmöglichen Badeeinteiler bekleidet eine Runde durch den Bodensee zu paddeln. - Wer denkt sich so einen Mist aus? Das ist nicht lustig. Ich für meinen Teil schalte auf RTL um, wenn ich sehen will, wie sich irgendwelche Idioten im Fernsehen zum Affen machen. Apropos »zum Affen machen«: was für Drogen hatte denn der Herr Sattmann genommen, der als Wettpate für Friedrichshafen dabei war? Der ist doch nicht immer so daneben, oder täuscht mich das jetzt?
Nachdem der peinliche Sattmann-Auftritt ausgestanden war, war’s denn Zeit für die erste Blondine auf der Couch: Maria Furtwängler. Smalltalk. Nichts Spannendes und ihr neuer Film haut mich auch nicht vom Hocker. Aber zumindest ist die Zeit bis zur ersten Wette zügig rum.
Mir fällt erst jetzt beim Schreiben auf, dass ich an der ersten Wette garnichts zu mäkeln habe - das war nämlich der Studi, der unter Wasser mit einer Hand einen Rubix-Cube wieder in die richtige Position gedreht hat - während er die Luft angehalten hat. Ist zwar ein eher seltsames Hobby, aber was soll’s.
Danach erstmal Musik: Beyoncé. Ziemlich lahme Nummer - ich wär fast eingepennt. Schnulze halt.
Thomas lockt die Dame natürlich erstmal auf die Couch und versucht an ihr rumzufummeln. Also alles wie immer. Smalltalk. Langweilig.
Die nächste Wette: die Kinderwette. Alles wie immer. Ein kleiner, verschüchterter Junge beruhigt sich erst, als er die blickdichte Brille aufgesetzt bekommt. Für seine Wette darf der Knabe nämlich nichts sehen. Er soll nämlich Buchstabennudeln mit der Zunge ertasten und aus jeweils fünf Buchstaben das gesuchte Wort »herausschmecken«. *gähn* Man hätte ihm vielleicht mal das komplette Wort auf den Löffel tun sollen und nicht jeden Buchstaben einzeln. Erwartungsgemäß hatte das Balg weniger Schwierigkeiten damit, die Worte herauszufinden, als Herr Gottschalk damit, das jeweilige Buchstaben-Töpfchen zu finden…
Der Junge gewinnt eine Reise in die USA, wo er was über Astronauten lernen darf und freut sich, als ob Tommy ihm sein Lieblingsspielzeug geklaut hätte. Ich hatte kurz das Gefühl, der fängt vor lauter Enttäuschung an zu Heulen. Als Thomas ihn dann zwingt, die Bühne zusammen mit Beyoncé zu verlassen, erwische ich mich dabei, wie ich mir vorstelle, wie der Bengel am Montag zum Psychiater muss.
Dann wieder Musik: Zucchero. Ziemlich lahme Nummer - ich wär fast eingepennt. Schnulze halt.
Anschließend rollt Sylke Otto mit nem Audio R8 auf die Bühne. Das Auto ist eines von zwei Highlights der Sendung und Sylke Otto die nächste Blondine auf der Couch.
Weil das aber noch nicht reicht, wird nochmals nachgelegt. Auftritt Nina Ruge. Na Glückwunsch. Die konnte ich noch nie leiden. Auf mich wirkt die Dame immer irgendwie wie ein Zombie in einem Anzug aus sonnenbankgebräuntem Leder. Alles wird gut? Ich glaube kaum. Mal sehen, was die nächste Wette bringt.
Jetzt ist nämlich die Aussenwette an der Reihe. Man könnte ja mal was mit nem Auto machen. Vielleicht findet man ja nen österreichischen Hausmann, der mit nem Auto auf zwei Rädern durch die Gegend fährt und Luftballons zerpiekst - und tatsächlich, da ist so einer. Er verliert seine Wette und keiner sagt ihm das. Er freut sich wie die Hulle und kapiert nicht, dass er es nicht geschafft hat. Ist aber auch egal, das Beste an der Wette kommt ja noch. Nina Ruge hat nämlich verloren und so wird sie mit eine Vogelspinne ausgestattet - das Zombie-Outfit ist komplett.
Zur Entspannung gibt’s erstmal nen schnarchlangweiligen Song von Yvonne Catterfeld. Das ist diese Pseudo-Schauspielerin mit den seltsamen Augen und Tommy lässt es sich nicht nehmen, sie mit auf die Couch zu holen. Die nächste Blondine auf der Couch. Okay, sie hatte sich die Haare braun gefärbt, aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ne Blondine ist.
Nachdem das durchgestanden war, wurde es wohl auch Zeit für mein zweites Highlight der Sendung: Urban Priol. Der Mann ist einfach lustig. Wäre er nicht gewesen, hätte ich den Rest der Sendung wohl auch nicht durchgestanden, denn das was da jetzt noch kommen sollte, war einfach ein ziemlich hartes Brot.
Bühne frei für das große Kreischen: Bill Kaulitz, Sängerin Sänger von Tokio Hotel stakst auf die Bühne und ein Rudel Teenies fängt an zu schreien. Dank hormonellem Autopiloten ist denen wohl nicht mal aufgefallen, was für ne hohle Frucht der Bengel eigentlich ist. Eindrucksvoll hat er das dann auch bei der folgenden Wette unter Beweis gestellt. Da hat nämlich ein Mädel gewettet, sie könne die Mädels ihrer Internats-Jahrgangsstufe am Geräusch, dass die beim Zähneputzen verursachen erkennen. Klingt nicht weiter kompliziert - dem Bill muss man sowas aber dann doch zweimal erklären. Nachdem er’s dann gerafft hat, sitzt er also dann mit offenem Mund da und bestaunt die Mädels beim Zähneputzen. Ein Bild der totalen geistigen Überforderung. Wenigstens kann man sich mit ihm über Schminke unterhalten…
Ich frage mich, ob sein »Glücksbringer« (ein Diktiergerät!!) wirklich dazu dient, Ideen festzuhalten, oder ob ihm sein Management da ne Wegbeschreibung draufgequatscht hat, damit er den Weg ins Studio findet und er beim Laufen das Atmen nicht vergisst, weil er an die Grenzen seiner geistigen Kapazität stösst. Man weiss es nicht…
Dann wieder Musik: Keith Urban. Ziemlich lahme Nummer - ich wär fast eingepennt. Schnulze halt.
Wenigstens nimmt Tommy den Knaller nicht mit auf die Couch. Stattdessen gibt’s jetzt 1,46 Meter geballte Männlichkeit: Peter Maffay. Der Mann hat ja wohl mittlerweile auch ein Sitzkissen mit seinem Namen drauf auf Tommies Couch. Wann war eigentlich die letzte Sendung, bei der er nicht da war?
Auch egal. Zur Abwechslung könnte man ja mal wieder was wetten. Und weil wir das heute noch nicht hatten, nehmen wir doch als Wettkandidaten mal einen Hund. Der darf denn auch seinen Assistenten - ein kleinen, bulligen Amerikaner - mit auf die Bühne bringen. Der stellt dem Hund dann ein Wasserglas auf den Kopf und lotst den Köter eine Treppe rauf und wieder runter. Das war dann auch die Stelle, an der der Wettkönig feststand. Gegen einen Hund hat keiner ne Chance. Auch der Maffay nicht. Und der muss eine wahrlich diabolische Strafe über sich ergehen lassen: Er muss eine Zwanzig-Kilo-Hantel über den Kopf stemmen und da so lange halten, wie er kann. Ganz toll. Ich hole mir Streichhölzer, um meine Augen am Zufallen zu hindern.
Dann halt wieder Musik: Take That. Ziemlich lahme Nummer - ich wär fast eingepennt. Schnulze halt.
Nach dem Song quatscht Tommy die Jungs voll - und plötzlich kommt mir etwas furchtbares in den Sinn: Nachdem Take That sich aufgelöst hatten, haben sich doch einige Teenies umgebracht - und jetzt tun die Jungs sich wieder zusammen, als wenn nichts gewesen wär. Fürchterlich makaber, wie ich finde, aber ein guter Beweis dafür, dass man sich wegen solchem Humbug vielleicht doch besser nicht das Leben nimmt. Man weiss ja nie…
Jetzt ist’s fast geschafft. Fehlt noch die ganz große Peinlichkeit. Peter Sattmann und die Freidrichshafener Borat-Imitatoren. Und ich frage mich mal wieder, ob die Menschen wirklich alles tun würden, um ins Fernsehen zu kommen. Offensichtlich ist dem so.
Anschließend wird dem Hund noch das Super-Los überreicht und die Zahnbürsten-Mädchen stellen ihre Enttäuschung zur Schau. Alles wie erwartet.
Bleibt nur noch eine Frage zu klären: Wie konnte ich das so lange durchstehen? Herr Gottschalk hat ja sogar ne halbe Stunde überzogen und ich hab’s trotzdem angeguckt. Wahrscheinlich ist es dasselbe Phänomen, wie bei Verkehrsunfällen. So schrecklich wie es ist, man kann einfach nicht wegschauen. Und ich bin Schaulustiger. Widerstand zwecklos.






Kommentar von Andreas
1 21. Januar 2007, 16:30 Uhr |
Sehr schön! Hab gut gelacht beim Lesen!