Von Onkel Loco, 17. Oktober 2006, 07:08 Uhr

Yes! Das Unterschichten-Problem ist jetzt gelöst. Habe gerade im ARD-Morgenmagazin gehört, daß der Begriff »Unterschicht« seit gestern politisch nicht mehr korrekt ist und ab sofort der Begriff »Prekariat« zu verwenden ist. Die Wikipedia erklärt den Begriff so:

Prekariat ist ein Neologismus der Soziologie, geformt aus Teilen des Wortes Prekarität und Proletariat und definiert »ungeschützte Arbeiter« als eine neue soziale Klasse.
Umgangssprachlich und oft abwertend wird auch der Begriff Neue Unterschicht benutzt.

Ich persönlich finde nicht, daß es jemandem hilft, dem Kind einen schönen Namen zu geben. Eventuell könnte mir da ja mal ein »Prekarianer« widersprechen, falls er sich seit gestern plötzlich besser fühlt, wo er jetzt nicht mehr zur »Unterschicht« gehört…
Zu dem Thema könnte ich noch ein paar schöne Euphemismen anbieten:
Personalfreistellung: Entlassung
Personalstandsbereinigung: Massenentlassung
Negativer Gewinnbeitrag: Verlust
Beschäftigungsschwund: Steigerung der Arbeitslosigkeit
Flexibilisierung des Arbeitsmarktes: hire and fire
Freisetzung: Entlassung
strukturschwache Gebiete: hohe Arbeitslosigkeit in einem Gebiet
Überfluss an Arbeitskräften: Arbeitslosigkeit

Damit kriegen wir die mit Sicherheit die komplette Arbeitslosigkeit weggeredet. Oder wir machen’s wie der Münte und behaupten, es gäbe in Deutschland keine Schichten…

Soziale Einrichtungen:Social News & Social Bookmarking. Sonst nichts.
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Es gibt Beiträge, die sind diesem hier irgendwie ähnlich. Nämlich diese:

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Bisher 4 Kommentare zum Artikel

  1. Kommentar von Gonzales

    Minikommentar zu Tante Uschi vom 25.4.07 :
    1. vielleicht verstehe ich die freine Ironie nicht, sollte die Debatte aber ernsthaft sein, so
    leitet sich der begriff Prekariat von prekär und Proletariat ab.
    Ansonsten verstehe ich die Debatte um neue Namensgebungen nicht ganz. Das Proletariat
    als revolutionäres Subjekt scheint es in dieser, enger marxistisch-leninistischen Form nicht mehr zu geben, die Abhängigkeitsverhltnisse zum Kapital haben sich aber eher verschärft und
    ausgeweitet, was bürgerliche Soziologen in unsägliche Schichtenmodellen zu verwässern versuchen. Warum also nicht dieser “neue” Begriff , der Menschen unterschiedlichster Ausbild-
    dungs-und Sozialverhältnisse in für ihre Existenzsicherung prekäre, d.h. unsichere und bedrohliche Abhängigkeitsverhältnisse bringt , zusammenfasst

  2. Kommentar von Tante Uschi

    der Name Prekeriat setzt sich nicht aus Prekeriat und Proletariat zusammen, sondern es ist ein Neologismus und wurde von dem Wort präker und Prolitariat abgeleitet. Soviel dazu. Den Rest meiner Kritik hat bereits sum1 zusammengefasst.

  3. Kommentar von Onkel Loco

    @ sum1
    Hier geht es im eigentlichen Sinne nicht um die ursprüngliche Bedeutung des Ausdrucks Prekariat. Hier geht es vielmehr um die euphemistische Verwendung des Begriffs in der aktuellen Unterschicht-Debatte. Und da ist die Verwendung durchaus euphemistisch. Jemanden einen Prekarianern zu nennen klingt schonmal deshalb nicht so beleidigend wie “Unterschichtler” weil kein Schwein wirklich weiß, was Prekariat eigentlich bedeutet. Und Zack: wir haben eine Beschönigung.

    Trotzdem vielen Dank für den Kommentar ;-)

  4. Kommentar von sum1

    da hast du aber was ganz falsch verstanden. prekariat ist weder ein euphemismus für unterschicht noch bezeichnet es das gleiche wie unterschicht. unetrschichts-ferne freiberufler und künstler gehören genauso zum prekariat, denn auch auch sie sind in prekären arbeits- und lebensverhältnissen (ohne absicherung, festen lohn, gewerkschaft).

    der begriff prekariat stammt aus den sozialen bewegungen und ist im gewissen sinne ein nachfolger von “proletariat”.

    emher dazu in einem älteren beitrag von mir: mayday, mayday.

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