Mahlzeit. Ich bin’s mal wieder. Keine Angst… Nur ganz kurz. Updates zum Geschehen im Shop gibt es seit gestern bei I never finish anyth.
Dann könnt ihr da auch noch rumspammen ![]()
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Mahlzeit. Ich bin’s mal wieder. Keine Angst… Nur ganz kurz. Updates zum Geschehen im Shop gibt es seit gestern bei I never finish anyth.
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Es ist also tatsächlich soweit: Der Onkel ist zurück und schreibt die Fortsetzung von »Ein Tag im Shop«. Lange genug hat es ja gedauert, aber mittlerweile ist das Prosa-Faß voll und jetzt muss einfach alles raus.
Für diejenigen, die den ersten Teil noch nicht gelesen haben, würde ich empfehlen direkt um 9.00h anzufangen…
So. Genug gequatscht. Los geht’s…
12.00h Der Anwalt redet unbeirrt weiter. Es scheint ihm völlig gleichgültig zu sein, dass er gerade mit seinem Leben spielt. Vermutlich spekuliert er darauf, uns im Falle eines Falles noch posthum verklagen zu können.
Er quatscht also munter weiter und schiesst mit Beleidigungen um sich. Selbst Ghandi könnte jetzt nicht mehr an sich halten. Ich falle ihn an und er explodiert in einer Fontäne aus Blut. Die Schaufensterscheiben werden undurchsichtig. Ein feiner roter Nebel legt sich über die Notebooks…
12.45h Ich komme zu mir. Ich sitze vor dem Laden auf der Bank. Wo ist das Blut hin? Hat wer gewischt? Chef besteht darauf, das Blutbad habe niemals stattgefunden. Behauptet tatsächlich, ich hätte den Laden bleich und zitternd verlassen, mich auf die Bank gehockt und in knapp 40 Minuten eine komplette BigBox weggeraucht. Die Zigarettenkippen vor meinen Füßen scheinen seine Aussage zu untermauern.
Seltsam. Kann mich nicht erinnern wie der Anwalt völlig enttäuscht den Laden verlassen hat, nachdem Chef ihm erklärt hat, dass wir kein Geld bezahlen, um für Kunden arbeiten zu dürfen…
12.59h Habe mich wieder gefangen. Konnte meinen Kreislauf mit Kaffee wieder einpendeln. Alles wird gut.
13.15 Ein junger Mann betritt den Laden. Er zeigt auf die Geldbörse, die im Schaufenster liegt und behauptet, seine Eltern hätten das gute Stück gestern im Laden verloren und er wolle sie jetzt abholen. Er scheint nicht bereit zu sein, zu akzeptieren, dass diese Geldbörse mit Sicherheit niemals seinen Eltern gehört hat, da wir sie selbst ins Schaufenster gelegt haben. Selbst, als Chef ihm erklärt, er habe das Teil selbst gekauft, um den Laden zu dekorieren, ist er noch nicht bereit von seiner These Abstand zu nehmen. Sachen gibt’s1!
13.30h Ich fühle mich stark genug, mich wieder Eclipse zuzuwenden, als eine Omi den Laden betritt. Sie will Batterien für ihre Fernbedienung. Fragt nicht…
13.35h Irgendwo muss da ein Rentner-Nest sein. Diesmal betritt eine Oma den Laden von der Bank aus. Sie will sich beschweren, weil die EC-Automaten ihr ohne Geheimzahl kein Geld geben wollen. Und das, wo sie doch die Karte hat! Unsere Beteuerungen, dass wir wirklich nicht zu der Bank gehören, will sie nicht akzeptieren. Als sie den Laden verlässt hat Chef ihr einen Kredit und ein Zeitungsabo verkauft. Ich glaube, der war kurzfristig mies drauf…
13.55h Der Postmann taucht wie aus dem Nichts auf und knallt zwei Kartons auf die Theke. In dem einen steckt mein neues Display. 24 Zoll. Samsung. Beim Grinsen reisst mir ein Mundwinkel ein.
In dem anderen stecken ein paar USB-Raketenwerfer. Der andere Mundwinkel reisst und Chef und ich rüsten unsere Rechner auf. Nach einem kurzen aber heftigen Gefecht gewinnen wir den Eindruck, aus dem Tag könne tatsächlich noch etwas werden…
14.10h Während ich mein neues Display anschliesse, beginnt Chef mit den ersten Zeichnungen zum RocketLauncher-Upgrade. Er faselt irgendetwas von »stärkeren Federn« und »WebCam-Support« und wirkt wie ein kleiner Junge an Weihnachten. Ich nehme mir vor, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Die Gelegenheit scheint günstig.
14.55h Panik! Eine Dreiviertelstunde ohne Idiotenalarm? Ich habe Angst. Ich richte den Raketenwerfer auf die Eingangstür aus. Chef nimmt die andere Tür aufs Korn. Sicher ist eben Sicher.
15.20h Na endlich! Die nächste Bunke taucht auf. Frau. Mittleres Alter. Eigentlich. Versucht aber krampfhaft jugendlich zu wirken. Hier und da ein paar eingestreute Anglizismen, Wortwahl betont derb, so lässig, dass es albern wirkt. Will einen Rechner. Bitte nicht! Die wird für jeden Quatsch anrufen und uns mit ihren sämtlichen Problemen belasten, weil sie meint, das gehöre zum Support2. Ich kann nicht verhindern, dass Chef ihr den Rechner verkauft. Er scheint zu glauben, sie so am schnellsten loszuwerden. Sie verspricht, uns weiterzuempfehlen und ich bete, dass sie es nicht tut.
15.35h Seit zwei Minuten beschäftige ich mich wieder mit Eclipse, als ein Mann den Laden betritt. Wir hätten da so schöne Uhren im Schaufenster, was die wohl kosten sollen, will er wissen. Chef erklärt, das wären echte »King Quarz« und die wären für schlappe 4500 Kracher zu haben. Der Typ schlägt sich die Kinnlade an der Theke auf. Chef lacht, bis die Tränen fliessen und der Mann klaut uns auf dem Weg nach draussen einen Kugelschreiber.
15.48h Plötzlich ist der Laden voller Chinesen. Hey! Zwei von denen kenne ich. Die hatten vor ein paar Tagen ein Notebook gekauft. Chef und ich waren noch so stolz, dass wir ein IBM-Notebook an China zurückverkauft hatten - und jetzt stehen die hier mit der ganzen Familie im Laden. Der Chef der Familie3 ist der Einzige, der ein paar wenige Brocken deutsch spricht und versteht. Er erklärt, sie wollten das Notebook zurückgeben, weil sie mit der deutschen Oberfläche nicht zurechtkämen. Kein Problem. Ubuntu kann chinesisch. Also beginne ich mit der Umstellung der Sprache…
16.05h Es ist geschafft! Alles chinesisch. Super. Die netten Leute können das jetzt alles lesen und freuen sich. Selbst die Titel der raubkopierten chinesischen Pornosammlung, die sich innerhalb von zwei Tagen den Weg auf das Laptop gebahnt hatte, waren jetzt in chinesischen Schriftzeichen zu bewundern. Ein feuchter Traum wird wahr. Und das mitten in Bochum…
16.10h Nein, verdammt! Ich kann jetzt keine Systemeinstellungen mehr ändern! Ich kann die verdammte Schrift nicht lesen, und Ihr könnt mir das nicht übersetzen! Und nein, ich werde jetzt keinen spontanen Chinesisch-Kurs dazwischenschieben. Ich habe alles getan, was ich für Euer ungetrübtes Porno-Vergnügen im Rahmen des nächsten Familientreffens tun konnte. Seht zu, dass Ihr Land gewinnt und empfehlt unsere Konkurrenz weiter!
16.30h Seit vier Minuten beschäftige ich mich wieder mit Eclipse, als ein Mann den Laden betritt. Wir hätten da so schöne Kugelschreiber im Schaufenster, was die wohl kosten sollen, will er wissen. Chef und ich richten die Raketenwerfer aus. »Nur Deko. Nicht zu verkaufen. Hasta la Vista, Baby!«, sagt der Chef und der Mann verlässt fluchtartig den Laden.
16.50h Der Praktikant kommt zurück und wirkt etwas angepisst. Und das bloß, weil wir ihn in ein Notebook-Kostüm gesteckt hatten, damit er mit einem Schild bewaffnet vor dem Bochumer Landgericht auf und ab läuft. »Kauft Ablass-Notebooks«, stand da drauf - schliesslich lief da ein Prozess gegen ein paar Steuersünder und man kommt nie wieder so günstig an Fernsehwerbung…
17.09h Der Prakti scheint wirklich sauer zu sein. Ich versteh nicht wieso. Ich schieße eine Ladung Schaumgummiraketen auf ihn. Der soll sich mal beruhigen…
17.15h Jetzt ist der Chef auch noch sauer. Er hat seinen täglichen Anruf bei der HP-Support-Hotline hinter sich gebracht. Auch heute besteht HP darauf, dass ein Netzwerkdrucker über USB lokal an einen Rechner angeschlossen werden muss, damit er funktioniert. Unsere Aufgabe heute: Toner leerdrucken um zu überprüfen, ob weiterhin Fehler auftreten.
Ich werfe Chef einen Beutel Süßkram zu. Das ist das Einzige, was ihn jetzt noch vor der Intensivstation bewahrt.
17.41h Noch zwanzig Minuten bis Feierabend. Dachte ich vor einer Minute. Jetzt weiss ich es besser. Ein Opa mit Mütze hatte den Laden betreten. Ein alter Bekannter. Versucht jetzt seit einem Monat, Chef und mich davon zu überzeugen, dass wir ihm einen mobilen Emailzugang auf seinem Handy einrichten sollen. Er kann / will / darf? nicht akzeptieren, dass das nicht unser Fachgebiet ist. Und daher ignoriert er unsere Hinweise hartnäckig und wiederholt sein Anliegen immer und immer wieder4.
17.55h Hinter dem Opa drängeln sich zwei Menschen in den Laden.
Nummer 1: »Ey, habt Ihr Schlüsselaufhänger?«
Ich: »Schlüssel-was?«
Nummer 1: »Schlüsselaufhänger. Ich muss unbedingt meinen Schlüssel irgendwo aufhängen!«
Ich: »Hömma, Keule. Das ist ein Computerladen. Du kannst hier Notebooks kaufen. Wir sind doch kein Baumarkt!«
Nummer 1: »Krieg ich dann wenigstens nen Kaffee umsonst?«
Ich: »Nicht in diesem Leben. Mach nen Abflug!«
Nummer 2: »Habt ihr Schreibwarenbedarf?«
Ich: »Nein, verdammt. Hier gibt’s keinen kostenlosen Kaffee, egal was ihr vorher fragt. Geht woanders schnorren, ihr Vögel!«
Chef schaut etwas irritiert. Der Opa hat es sich überlegt. Auch wenn wir es nicht zugeben wollen. Bestimmt könnten wir ihm den Mailaccount einrichten…
18.09h Ich entschliesse mich, vor der Tür eine zu rauchen und dann unsere Werbemittel reinzuholen. Werde von lauernden Schnorrern angebettelt.
18.15h Der Opa verlässt den Laden. Frage mich, wie Chef den wohl losgeworden ist. Als ich den Laden wieder betrete, habe ich zwei Menschen im Schlepptau. Sie verlangen nach ausgiebiger Beratung…
18.45h Beratung abgeschlossen. 50% Trefferquote. Einer kauft, einer stellte am Ende der Beratung fest, dass er eigentlich nur Gesprächsbedarf und keine Kaufabsicht hatte.
19.00h Als der Laden leer ist, schliessen wir schnell die Türen ab. Geschafft. Denken wir. Da klingelt das Telefon. Ein Kunde will ein Notebook zurückgeben, weil er unter Ubuntu den Windows Media Player nicht installieren kann. Ich lege auf und packe meine Sachen zusammen.
Jetzt ist alles gut. Der kleine rote Horrorladen hat uns auch heute nicht geschafft. Morgen bekommt er wieder eine Chance… Ich werde jetzt noch eine abenteuerliche Reise mit der U-Bahn unternehmen. Und falls ihr noch nicht gelesen habt, was einem da so passieren kann, dann schaut doch einfach mal hier…
Tach Freunde
Wie Ihr sicher gemerkt habt, passiert hier in letzter Zeit nicht viel und dafür schäme ich mich auch ganz gar fürchterlich. Ich hoffe, das wird jetzt bald wieder besser, weil sich in meinem neuen Job so langsam eine gewisse Routine einpendelt und mein Kreativitätsniveau Tendenzen zeigt, in ungeahnte Höhen zu steigen.
Bis hier wieder alles beim Alten ist, könnt Ihr ja schon mal in diesem Blog weiterlesen, wie es mir im Arbeitsalltag so ergeht. Aus dem letzten Blogbeitrag hier bei drekhead.com ist nämlich mittlerweile ein ganzes Weblog geworden - die Geschehnisse in »dem kleinen roten Horrorladen« in einem zweiteiligen Beitrag abzufrühstücken wäre den Ereignissen einfach nicht gerecht geworden.
Nichtsdestotrotz werde ich den Beitrag »Ein Tag im Shop« natürlich noch vollenden.
So long,
der Onkel Loco
9.00h Ich verlasse die Wohnung. Die U-Bahn-Fahrer streiken nicht. Werde also pünktlich um 9.30h im Shop ankommen. Gegen die drohenden Gefahren der Anreise schütze ich mich mit Ohrstöpseln und lauter Musik. Ich hege die Hoffnung, heute zum Programmieren zu kommen. Das Projekt muss schliesslich auch irgendwann mal fertig werden.
9.15h Sitze in der U-Bahn. Alle Fahrgäste scheinen in Gedanken versunken, niemand randaliert. Ich frage mich, wo heute die Typen mit den alkoholischen Getränken herumhängen.
9.25h Fast geschafft. Nur noch wenige Meter. Auf der Einkaufsmeile haben die Trödler begonnen, ihre Stände aufzubauen. Die Schnorrer haben ihre üblichen Positionen bezogen. Der kleine Hund des Einen hat Glück: heute gibt’s Brötchen zum Frühstück. Die Jungs mit den alkoholischen Getränken halten am Platz vor dem Café im Pavillion ihr morgendliches Meeting ab. Wenn ich zwischen 18.00h und 19.00h heimgehe, werden sie da immer noch sitzen.
9.30h Da ist der Shop. Das Schild mit der Aufschrift »Gebrauchte Notebooks - ab 285,00 €« steht schon draußen. Chef ist also schon da. Er hat mal gesagt, er fange gerne früher an. Dann könne er noch was schaffen, bevor der Streß losgeht. Witzigerweise glaubt er wohl wirklich daran…
Ich betrete den Laden. Der Kaffeegast ist schon da. Ist er eigentlich immer. Sitzt an der Theke und schlürft seinen Kaffee. Nehme mir vor, den Chef heute mal zu fragen, ob er den Typen eigentlich kennt…
Jetzt erstmal einen Kaffee.
10.10h Es geht schon los. Hatte gerade die Entwicklungsumgebung gestartet und mich in meinen eigenen Quelltext eingelesen, da kommt eine Omi in den Laden. Ah ja. Der nette Lehrer von der Volkshochschule hat uns empfohlen. Bei uns gäbe es günstig gute, gebrauchte Notebooks. Ideal für Einsteiger. Ich erkläre der Omi, das wäre völlig richtig. Dabei wirke ich so kompetent, dass sie da auch keine Zweifel hat. Was jetzt passiert verwirrt mich. Die Omi möchte sich beraten lassen und ich lege los. Sie hört nicht zu und ignoriert mich. Starrt die Notebooks an. Schaut auf die Tastaturen der zum Verkauf stehenden IBM-Notebooks. Schielt auf das alte Benq-Gerät, das der Praktikant für seine Recherchen1 nutzt. Omi trifft ihre Entscheidung. Sie will das Benq-Notebook. Kein IBM. Sie schwört, sie habe niemals Tastaturen, wie die der IBM-Geräte gesehen. Sie will etwas, was ihr bekannt vorkommt. Das Praktikanten-Notebook. Nichts anderes. Und es ist ihr auch völlig egal, dass die Buchstaben auf den Tasten dieselben sind.
Langsam drängt sie den Praktikanten zur Seite. Wenn ich nicht dazwischen gehe, dann macht sie ihn kalt und flieht mit dem Notebook. Todesmutig werfe ich mich in ihren Weg und schaffe es gerade noch, sie mit einem Fußtritt vor die Tür zu setzen. Mit dem netten Mann von der VHS werde ich ein ernstes Wörtchen reden müssen…
10.30h Seit zwei Minuten beschäftige ich mich wieder mit der Entwicklungsumgebung2, als ein Mann den Laden betritt. Wir hätten da so schöne Uhren im Schaufenster, was die wohl kosten sollen, will er wissen. Chef erklärt ihm, die wären nur Deko und nicht zu verkaufen. Außerdem habe er die im Pennymarkt für vierfünfundneunzig erstanden und die sähen zwar gut aus, wären aber der letzte Mist. Enttäuscht zieht der Typ von dannen.
10.35h Chef erklärt, er hoffe inständig, die Lieferung der neuen Notebooks treffe in den nächsten zehn Minuten ein. Er habe extra für den Abtransport des Verpackungsmülls sein Auto in der Fußgängerzone geparkt und das müsse schließlich bis 11.00h verschwunden sein, weil sich schon eine Traube Politessen um die Karre versammelt hat. Die Damen sind wie die Geier. Und sie ziehen ihre Kreise um das bald fällige Opfer.
10.45h Nachdem zwischenzeitlich zwei Schnorrer ihren täglichen Hasse-ma-nen-Euro-Spruch vorgetragen haben und wir sie (wie immer) davongejagt haben, schicken wir den Praktikanten raus, um die Schnorrer-Rune neben der Eingangstür zu entfernen. Ich überlege, ob wir die nicht vielleicht dran lassen sollten. Wer weiß schon, ob die nicht vielleicht vor uns knauserigem Establishment-Pack warnt und die Jungs am nächsten Morgen davon abhalten soll, es wieder bei uns zu versuchen. Vielleicht ist das deren Art des Customer-Relationship-Management. Ich kann mir ja auch nicht jeden Kunden merken…
10.55h Entnervt verlässt der Chef den Shop um sein Auto umzuparken. Die neue Lieferung ist natürlich noch nicht angekommen. War eh klar…
11.10 Gemeinsam mit dem Spediteur, der die Notebooks ankarrt betritt der Chef den Laden. Sein Gesicht erzählt von Mordlust und kaum kontrollierbarer Wut.
11.15h Da ist er ja endlich. Der erste Kunde, der nach einem langen Blick in unser Schaufenster den Laden betritt und die Frage aller Fragen stellt: »Haben Sie auch gebrauchte Notebooks?« Chef und ich schauen uns an, holen tief Luft, sehen uns wieder an. Schließlich sagen wir wie aus einem Mund: »Wir haben nur gebrauchte Notebooks. Das sind alles Leasingrückläufer. Getestet, gereinigt und mit einem Jahr Gewährleistung.«
Mit enttäuschtem Gesichtsausdruck und ohne ein weiteres Wort zu verlieren verlässt der Mann den Laden. Sein Tag ist gelaufen. Jetzt kosten die Notebooks schon fast 300 Kracher und sind trotzdem keine Neugeräte. In dem Laden, das sind alles Raubritter…
11.20h Ich beginne, die Lieferung zu kontrollieren. Chef und ich wollen wetten, dass entweder Netzteile fehlen, oder sich bei einigen Geräten die Seriennummer-Aufkleber des vorinstallierten XP zersetzt haben. Aus der Wette wird nichts. Wir finden niemanden, der dagegenhält.
11.25h Seit fünf Minuten beschäftige ich mich mit den Notebooks, als ein Mann den Laden betritt. Wir hätten da so schöne Uhren im Schaufenster, was die wohl kosten sollen, will er wissen. Chef erklärt ihm, die wären nur Deko und nicht zu verkaufen. Außerdem habe er die im Pennymarkt für vierfünfundneunzig erstanden und die sähen zwar gut aus, wären aber der letzte Mist. Enttäuscht zieht der Typ von dannen, der Chef rollt mit den Augen und nimmt den täglichen Kampf eines jeden Kaufmanns mit Finanzamt, Krankenversicherung und Steuerberater wieder auf. Sein Gesicht sagt, er wünsche sich, endlich auch mal wieder was Produktives tun zu können. Programmieren, nen Server installieren, Projekte planen.
11.45h Ich stehe bis zu den Knien in Verpackungsmaterial. Durch die Durchgangstür zur Bank nebenan zieht der Betreiber des an die Bank angeschlossenen Internetcafés einen Typen im Anzug. »Der Mann hier ist Anwalt und will eine Webseite.«, erklärt er uns und setzt den Knaben an unsere Theke. Die Durchgangstür fällt zu und der Cafébetreiber ist verschwunden.
Chef versucht herauszufinden, was der Anwalt eigentlich will. Dieser erklärt, er wolle eine Webseite für seine Kanzlei. Er könne das zwar alles selber, hätte aber keine Lust und keine Zeit. Als Chef ihm erklärt, dass die Erstellung von Webseiten bei uns Geld kostet, ist der Anwalt sichtlich überrascht. Wie kann man für etwas Geld verlangen, was ja jeder selber machen kann? Außerdem sei Webseite ja Webseite und zum Erstellen einer solchen sei ja wohl keinerlei Qualifikation erforderlich. Webseiten könne man sich schliesslich schon quasi wie im Baukastensystem selber zusammenklicken.
Dies ist der Moment, in dem ich mich frage, ob der Vollspaten denn nicht sehen kann, dass ich ein Messer zum Öffnen der Kartons in der Hand habe und dass sich meine Hand immer fester um den Griff schliesst. Das Blut weicht aus meinen Fingern und die Knöchel treten weiß hervor. Mein Chef wird später behaupten, ich hätte Schaum vor dem Mund gehabt. Der Praktikant wird schwören, er habe niemals einen solch irren Blick, wie meinen in diesem Moment gesehen.
Es ist jetzt kurz vor zwölf. Tatsächlich und für den Anwalt auch im übertragenen Sinne. Ein weiteres Wort und der Schlipsträger ist Geschichte - und wie wir aus der Schule wissen, hat die Geschichte einen Hang zu Blut und hervortretenden Gedärmen…
To be continued…
Wird der Onkel ein Blutbad anrichten? Gibt es für den Anwalt noch eine Chance? Hält der Chef bis zum Feierabend durch? Kommt der Praktikant doch noch zu sich? Wer ist der geheimnisvolle Kaffeegast? Lest mehr im zweiten Teil!3
Es geschah am Abend des letzten Freitag. Es war kurz nach 19 Uhr. Ich hatte Feierabend und wollte auf dem Rückweg von der Arbeit noch auf die Schnelle ein paar Kleinigkeiten im nahegelegenen Discountmarkt erstehen. Zum Abendessen sollte es Lasagne geben und es fehlten einige wichtige Zutaten.
Man sollte meinen, ein Einkauf, für den man nicht einmal einen Einkaufswagen benötigt, ließe sich schnell erledigen und bedürfe eigentlich nicht einer Erwähnung oder gar eines eigenen Blogbeitrages - aber manchmal kommt eben alles ganz anders, als man denkt…
Meine Laune war erstaunlich gut für einen Freitagabend. Mein Chef hatte mit einem geschickten Schachzug erreicht, dass es dem Praktikanten nicht möglich war, den Heimweg mit mir zusammen anzutreten und so konnte ich mich auf der Rückreise mit der U-Bahn tatsächlich entspannen und erreichte sicher den Heimatbahnhof.
Als ich den Parkplatz des örtlichen Supermarktes erreichte, lag dieser, nur halb mit PKW gefüllt, still und fast schon friedlich vor mir. Ja, man kann fast schon sagen, dieser Parkplatz strahlte Ruhe und Gelassenheit aus, was, wie jeder weiß, für den Parkplatz eines Discountmarktes sehr ungewöhnlich ist. Normalerweise toben auf solchen Parkplätzen Kleinkriege, die mit von Kleinhirnen gesteuerten Kleinwagen ausgetragen werden. Das war hier und jetzt aber nicht der Fall. Niemand hupte, niemand versuchte, seinen Wagen als Waffe gegen einen frechen Fußgänger einzusetzen.
Wäre ich nicht so entspannt und zufrieden gewesen, wäre mir mit Sicherheit sofort aufgefallen, dass hier etwas nicht stimmt und ich hätte auf dem Absatz kehrt gemacht und die Flucht ergriffen. Ich tat es nicht - und das sollte sich als schwerer Fehler erweisen.
Ich überquerte den Parkplatz. Niemand unternahm wild hupend den Versuch, mich mit einem Seat Ibiza vom Angesicht dieser Erde zu tilgen, niemand versuchte, mich mit einem Fiat Panda vom betreten des Discounters abzuhalten und blind wie ich war tappte ich in die Falle und betrat die Eingangsschleuse des Marktes.
Ich weiss bis jetzt nicht, wie sie es geschafft hat, aber mitten in diesem nur drei Meter langen Eingangsbereich mit den automatischen Schiebetüren an jeder Seite, dessen Durchquerung eigentlich nur maximal drei Sekunden dauern sollte, tauchte wie aus dem Nichts eine Omi mit einer Gehhilfe1 auf. Ich weiß wirklich nicht woher sie kam - aber sie war die erste des finsteren Heeres und gab mit ihrem Auftauchen das Signal zum Beginn der Schlacht um meine geistige Gesundheit.
Das - auf den ersten Blick - harmlos wirkende Mütterchen mit ihrem AOK-Shopper zeigte plötzlich ihr wahres Gesicht. Sie war Chronos, die Herrscherin über die Zeit, und sie setzte ihre Kräfte ein. Die Sekunden schienen stehenzubleiben und sie bewegte sich wie in Superzeitlupe. Hinter mir schlossen sich die automatischen Schiebetüren und für fast fünf Minuten war ich hinter dem Mütterchen in der Schleuse gefangen. Ein Überholen war unmöglich und für das menschliche Auge war es fast unmöglich, ihre Bewegungen wahrzunehmen.
Als ich die Hälfte der drei Meter hinter mich gebracht hatte, schlugen die dort angebrachten Flügel mit den Hinweisen auf empfohlene Laufrichtung zu und trafen mich in den Unterleib. Wahrscheinlich waren die Sensoren nicht in der Lage zu erkennnen, dass Chronos und ich uns tatsächlich bewegten…
Nachdem ich durch die Tränen in meinen Augen wieder etwas sehen konnte, stellte ich fest, dass Chronos die Schiebetür in die Verkaufshalle des Marktes passiert hatte. Ich drängte mich an ihr vorbei und die Zeit nahm wieder ihre normale Geschwindigkeit an.
Was ich jetzt sah, raubte mit kurz den Atem. In den Gängen waren »Aktionstische« aufgebaut. In Wahrheit waren es Hindernisse, die mich in meinem Vorankommen hindern und auf meine Gegner zutreiben sollten. Und meine Gegner warteten bereits auf mich…
Diese Gegner waren zunächst nicht von den normalen Einkäufern zu unterscheiden, bis die Macht des Bösen in sie hineinfuhr und von Ihnen Besitz ergriff, woraufhin sie mich unvermittelt angriffen. Normale Menschen schienen plötzlich jedes Gefühl für ihre Umgebung zu verlieren und vom Warenangebot abgelenkt zu werden. Dies hatte zur Folge, dass sie den Blick von mir abwandten und mich gleichzeitig mit ihren Einkaufswagen anzufahren versuchten.
Einige Male konnte ich mich nur durch einen Sprung auf eine der an den Wänden aufgestellten Paletten in Sicherheit bringen oder durch geschicktes Abtauchen unter einen der »Aktionstische« retten.
Nachdem ich allen physischen Attacken entgangen war und auch noch meine Beute2 in den Händen hielt, versuchte das Schattenheer aus realitätsentrückten Zombies eine andere Taktik: Gedankenkontrolle.
Plötzlich konnte ich an nichts anderes als Flucht denken. Ein Teil von mir war sogar bereit, die erbeuteten Waren in das nächstgelegene Regal zu werfen und auf dem direktesten Weg das Gebäude zu verlassen. Ich war bereit, an diesem Abend zu hungern, nur um der schwersten Prüfung dieser Einkaufshölle zu entgehen: der Kasse.
Unter Aufbietung all meiner Kräfte und all meines Geschicks kämpfte ich mich in Richtung der Fließbänder, die die Waren unaufhaltsam auf die furchterregend dreinblickenden »Kassiererinnen« zurollen lassen.
Nachdem ich trotz mehrfacher, schmerzender Kollisionen mit den Einkaufswagen verschiedener Schoppingzombies eine Kasse erreicht hatte, an der sich, wie an allen anderen Kassen, plötzlich eine lange Schlange gebildet hatte, hatte ich für kurze Zeit das Gefühl, ich könne diesen Höllentrip lebendig überstehen. Doch dieses Gefühl hielt nur für den Bruchteil einer Sekunde an - dann erblickte ich Chronos in der Warteschlange. Ich wusste nicht, wie sie es in dieser kurzen Zeit bis in diese Schlange geschafft haben konnte, aber sie hatte es geschafft.
Als ich sah, dass Chronos am Ende des (mittlerweile leeren) Fließbandes stehenblieb und mit kaum wahrnehmbaren Bewegungen begann, ihre Einkäufe3 auf das Band zu befördern, wanderte mein Blick sehnsüchtig zur Nachbarkasse herüber und ich wurde von einem Gefühl heimgesucht, dass sich am trefflichsten als Wut beschreiben lässt.
Diese Wut übernahm die vollständige Kontrolle über mich, als ich an der anderen Kasse einen Clon Chronos erblickte. Dieser Clon schien mich hämisch anzugrinsen4 und an das was jetzt geschah, habe ich nur noch bruchstückhafte Erinnerungen.
Ich erinnere mich an Schreie, Blut und Hackfleisch. An Explosionen von geriebenem Käse und an an der Kasse ausgelegte DVD-Rohlinge, die zu Waffen wurden. Dann Schwärze.
Es ist mittlerweile Sonntag. An den Samstag habe ich keine Erinnerung mehr. Auch der Rest des Freitagabend wurde von meinem Hirn ersatzlos gestrichen. Ich sitze hier und notiere meine Gedanken in dem Versuch ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und ja, auch um meine Furcht vor der morgigen Ausgabe der Lokalzeitung in den Griff zu bekommen. Wer weiß schon, was wirklich in diesem Höllenschlund passiert ist? Wer weiß schon, was Realität war, und was nicht5.
Ich frage mich, ob ich wohl der Einzige bin, dem beim Einkaufen solche seltsamen Dinge passieren. Wie ist das bei Euch?
Ich hatte gerade ungeschützten Verkehr. Öffentlichen Personennahverkehr, genauer gesagt. Er war nicht geplant und das alles geschah ganz spontan. In der U-Bahn. Ich glaube, ich habe mir dabei eine Krankheit eingefangen…
18.00 Uhr. Feierabend. Raus aus dem Laden und alles schön sorgfältig abgeschlossen. Fluppe an. Auf zur U-Bahn. Der Praktikant geht mit. Hat den selben Weg. Das ist der Moment, in dem mein Martyrium seinen Anfang nimmt.
Wie gesagt, der Praktikant geht mit und bringt mich so dazu, die Heimreise ohne die sonst übliche, direkt ins Ohr injizierte Musikdröhnung anzutreten. »Sollte kein Problem sein. Ich werde die Fahrt überstehen.«, denke ich, als ich auf dem Bahnsteig feststelle, dass ausnahmsweise keine Baggyhosenträger mit gegelten Schmierfrisuren die ganze Halle mit irgendwelchem Krach beschallen.
Auch als die U-Bahn einfährt ist mein Optimismus ungebrochen. Für eine Bahn im Feierabendverkehr ist die Kutsche erstaunlich leer. Super Sache. Der Praktikant und ich suchen uns einen Platz am Ende des hinteren Bahnteils. Und hier, lieber Leser, ist der Moment gekommen, an dem das Grauen… aber lest selbst.
Zwei Plätze neben mir sitzen eine Mutter und ihre kleine Tochter. Älter als fünf Jahre ist das Gör mit Sicherheit nicht. Gefährlicher als das schlimmste Monster aus dem blutigsten Splatter ist die Lütte aber alle mal.
Gerade als der Zug sich in Bewegung setzt, beginnt das Kind einen monotonen Singsang. »Die Nummer schlägt sieben. Die Nummer schlägt sieben. Die Nummer schlägt sieben.«, wiederholt sie Gebetsmühlenartig.
Die ersten fünf Minuten der Fahrt hege ich noch die Hoffnung, sie höre bald damit auf. »Die Nummer schlägt sieben.«
Die nächsten fünf Minuten der Fahrt starre ich sie mit meinem finstersten Blick an. Sie ignoriert mich. »Die Nummer schlägt sieben.«
Die folgenden fünf Minuten überlege ich, dem Kind mitzuteilen, dass Nummern niemals schlagen, ich mich aber genötigt sehen könnte, das für die Nummern zu erledigen, falls sie nicht den Kopp zu macht. »Die Nummer schlägt sieben.«
Die nächsten fünf Minuten versuche ich, mich auf die Fahrgeräusche der U-Bahn zu konzentrieren. Es fällt mir mehr als schwer. »Die Nummer schlägt sieben.«
Die letzten fünf Minuten meines Martyriums kämpfe ich mit aller Macht darum, meine mittlerweile weichgekochte Murmel1 dazu zu überreden, den unkontrollierten Speichelfluss einzudämmen, um mir ein letztes bisschen Würde zu bewahren. »Die Nummer schlägt sieben.« »Die Nummer schlägt sieben.« »Die Nummer schlägt sieben.« »Die Nummer schlägt sieben.« Alles vergebens.
Meine Odyssee dauerte 25 Minuten. In dieser Zeit hämmerte das Balg mir ihr Mantra fast 1000 mal ein und mein Widerstand war gebrochen. Wortlos verabschiedete ich mich vom Praktikanten und ging zur Tür des Waggons. Bevor ich aussteige höre ich die Mutter zu ihrem Kind sagen: »Sing doch mal ein anderes Lied.« Die Tochter scheint gut erzogen zu sein und gehorcht ihrer Mutter. »Die Nummer schlägt acht. Die Nummer schlägt acht. Die Nummer schlägt acht. Die Nummer schlägt acht.«
Fluchtartig verlasse ich die Bahn. Ich bin ziemlich benommen. Den richtigen Ausgang aus der U-Bahn-Station finde ich erst geraume Zeit später. Ich meine mich zu erinnern, dass mir auf dem Weg zur Wohnung einer alte Frau mit Gehhilfe behilflich war, die Strasse zu überqueren - sicher bin ich mir da allerdings nicht. Das Einzige, dass mir momentan als gesichert erscheint, ist die Tatsache, dass ich nie wieder ungeschützten Personennahverkehr haben werde. Praktikant hin oder her. Aus purer Höflichkeit werde ich mir mit Sicherheit nicht meinen letzten Rest geistiger Gesundheit ruinieren lassen. Schließlich soll für meinen »Selbstversuch: Wahnsinn« noch eine gewisse Substanz als Testmaterial bleiben.
Und weil es gerade so wunderbar passt: Der Herr Rick, seines Zeichens Schafredaktor bei meinem Revolverblatt »Unterneuntupfing Aktuell« widmet das heutige Titelthema dem heutigen »Internationalen Weltidiotentag«. Wo der Zusammenhang ist? Ist doch klar: Die Idioten, die der Herr Schafredaktor in seinem (wie immer) hervorragend recherchierten Beitrag beschreibt, werden offensichtlich in U-Bahnen zwischen Bochum und Herne trainiert und auf ihre spätere Idiotenkarriere vorbereitet. Von verantwortungslosen und selbstsüchtigen Müttern, deren IQ der Durchschnittstemperatur des Monats Januar entspricht.
So, Kinder. Der Onkel verschwindet jetzt und liest ein Lexikon. Substanz auffüllen und so…
Servus.
Und ich wähnte mich schon am Ziel meiner Träume: Das Internet ist sauber. Keine Pornographie und keine Terroristen mehr. Und schon gar keine Pornoterroristen. Endlich sollte das Internet eine Blümchenwiese sein - so wie wir alle das immer schon wollten.
Da wird in der EU diskutiert, gefährliche Suchanfragen von vornherein zu verbieten und Arcor nimmt den Ball auch gleich auf und sperrt gefährliche Websites1.
Man will uns mündige Bürger also schützen und lässt auch den Volljährigen ein gewisses Maß an Jugendschutz angedeihen und was machen wir? Wir machen das, was wir in unserer Eigenschaft als chronisch undankbares Pack am besten können: wir beschweren uns und maulen rum. Typisch.
Ich persönlich habe ja schon lange die Schnauze voll vom ewigen Gejammer in diesem Lande und möchte daher für die EU und aufrechte Unternehmen wie Arcor eine Lanze brechen, indem ich hier einmal aufzeige, gegen was wir eigentlich protestieren und warum das in Wahrheit keine gute Idee ist.
Es folgt also eine Analyse der Methoden mit der unter anderem unsere Politiker versuchen uns vor Andersdenkenden zu schützen - denn wir wissen ja: tote glückliche Fische schwimmen mit dem Strom.
Begutachten wir also zunächst einmal die Gefährdungssituation: Unser christliches Abendland wird von Terroristen bedroht, die jeden Tag aufs neue daran gehen, uns mit allerlei fiesen Tricks, wie zum Beispiel einer Idee namens Islam, in unserer Existenz zu bedrohen. Zu diesem Zwecke trainieren die künftigen Attentäter online mit Killerspielen und suchen sich im Internet Bombenbauanleitungen. Das ist böse. Das wollen wir nicht.
Auf der anderen Seite wird unsere Kultur durch Personen bedroht, die uns mit Pornographie in die Falle der psychischen Abhängigkeit locken wollen2. Hier ist das Gefährdungspotential natürlich nicht ganz so hoch, wie es das bei Teil eins der Gefährdungssituation ist - dennoch darf auch diese Bedrohung nicht unterschätzt werden, denn…
Richtig. Genau so, wie Ihr Euch das gerade vorstellt, ist es auch.
Nehmen wir doch mal an, ein Terrorist stößt auf der Suche nach Informationen über Bomben und Kernspaltung auf frei zugängliche Pornographie. Das versetzt ihn doch mit Sicherheit in die Lage, die gefundenen Informationen zu kombinieren - so ein Terrorist ist doch trotz seiner ideologischen Verblendung nicht blöd.
Er wird also aus den gefundenen Informationen zu Sprengwaffen und Erotik eine furchtbare Waffe entwickeln: eine schmutzige Bombe, vielen Leser auch als Sexbombe bekannt.
Das darf nicht passieren. Wir dürfen uns unserer Verantwortung der Welt gegenüber nicht entziehen. Wir müssen mit dem Jammern aufhören und die Politik und die wenigen aufrechten Unternehmen in ihrem Kampf um Integrität und Sicherheit unterstützen. Wir müssen für eine Zensur der uns angebotenen Inhalte stimmen. Dann wird die Welt endlich wieder friedlich und schön. »Blümchen« ist hier das Stichwort.
Stellt Euch doch nur kurz einmal vor, wie wunderbar das Internet sein könnte: Kein Terrorismus, keine Waffen, keine in hochauflösenden Bildern präsentierten Geschlechtsorgane.
Und jetzt könnt Ihr es zugeben. Bei dem Gedanken daran fühlt Ihr Euch wie ein tanzender und singender Teletubbie auf einer grünen Wiese. Ja, das ist wahres Glück3.
Wo wir gerade dabei sind, hier die Wahrheit zu verbreiten: Gebt doch endlich zu, dass der Plan geradezu perfekt ist. Seht doch endlich ein, dass es zwingend erforderlich ist, auf unsere Rechte zu verzichten. Um der Freiheit willen. Um der Sicherheit willen. Im Gegenzug erhalten wir doch auch eine Menge. Innere Ruhe. Geborgenheit. Gedankenlosigkeit. Schutz vor jeglicher Eigenverantwortung.
Also überlegt es Euch gut und denkt immer daran: wir könnten wirklich frei sein - wir könnten wie die Teletubbies sein.
P.S.: Um den Suchmaschinen die Einschätzung des Gefährdungspotentials dieses Artikels zu erleichtern, habe ich Worte, die dazu geeignet sind die Sicherheit des Staates gefährden in Kursivschrift hervorgehoben4.
Dass das Internet heutzutage vorrangig für Pornographie verwendet wird, mag manch einer ja mittlerweile akzeptieren. Auch Email-Werbung für diverse Mittelchen zur Steigerung der Potenz und der Vergrößerung des primären männlichen Geschlechtsorgans gehören zum Alltag.
Gerüchten zufolge soll es aber auch Menschen geben, die sich durch die zunehmend aggressiver werdende Werbung aus diesem Bereich regelrecht belästigt fühlen. Ich für meinen Teil kann diesen Menschen durchaus nachfühlen, bin ich doch der Meinung, man könne das Internet doch auch mal für über die Pornografie hinausgehende Zwecke einsetzen. Wäre doch durchaus praktisch…
Nachdem jetzt festgestellt wurde, dass mittlerweile eine Milliarde Menschen das Internet nutzen, sollte man doch eigentlich meinen, dass dieser ständig wachsende Markt nicht nur den pr0n-Spammern genug Kundschaft bietet, sondern darüberhinaus auch noch massig Platz für die Klingeltonmafia vorhanden sein sollte. Offensichtlich ist diese Annahme falsch, wie ich am gestrigen Abend feststellen musste.
Gestern war Mittwoch. Es war also der Abend, am dem eine der beiden einzigen Serien läuft, die im deutschen Fernsehen überhaupt noch zu ertragen sind: Boston Legal.
Wie es aber nunmal so ist, gibt es auch bei guten Serien ständige Werbeunterbrechungen und eine dieser Zwangspausen nutze meine Freundin zum Aktivieren des VOX-Videotexts12. Schwerer Fehler…
Offensichtlich ist der Videotext mittlerweile an das weltweite Netzwerk angeschlossen, ohne dass jemand es für nötig gehalten hätte, einen Spamfilter zu aktivieren.
»Hose auf und los!« prangte dort in großen, roten Lettern und teilweise wurden 50 Prozent der Index-Seite durch Erotikwerbung ersetzt. Ich war schockiert. Wechseln sich die Klingelton-Piraten und Versicherungsdrücker jetzt tatsächlich mit den Porno-Spammern ab? War’s das jetzt mit dem letzten Rest Niveau?
Schaulustig wie der Mensch nun einmal ist, riefen wir natürlich auch die angegebene Seite im Videotext auf. Mit sehr eindeutigen Slogans wiesen auf dieser Seite mehrere Anzeigenblöcke darauf hin, man könne nur über die ausgewiesenen Rufnummern Kontakt mit Frauen aufnehmen, deren sekundäre Geschlechtsmerkmale von gewaltiger Größe sein sollten und deren primäre Geschlechtsmerkmale… ich spar mir das und überlasse den Rest Eurer Phantasie.
Was aber machten diese Werbeblöcke jetzt da im Videotext? Müssten die Sender nicht versuchen, etwas gegen diese Spammer zu unternehmen? Wissen die denn nicht was Spam ist? Ist denn von denen nie jemand per Email belästigt worden? Hat denn von denen niemand ein eigenes Blog, dessen Betrieb nur noch durch leistungsfähige Plugins vor der Überflutung mit Kommentarspam geschützt werden kann?
Diese Fragen schwirrten mir durch den Kopf, bis ich am unteren Bildschirmrand einen sehr dunklen, blauen Text auf schwarzen Hintergrund entdeckte: die Kostenhinweise.
Die meisten der Rufnummern sollten 2,99 Euro pro Minute kosten. Für wenige Sekunden hielt ich das für teuer - dann aber entdeckte ich noch einen anderen Hinweis.
Ich stellte erstaunt fest, dass ein Anruf bei einer dieser Nummern nur drei Cent pro Minute kosten sollte. Das schien mir wirklich sehr günstig. Die Überraschung wartete allerdings in der nächsten Zeile, denn dort standen die magischen drei Buchstaben: A B O. Langsam dämmerte mir also, dass der vermeintliche Preisbrecher der neueste Hit der Abzocker war. Stolze 56 Kracher im Monat wollten die Freunde für das Abo haben. Und zwar zusätzlich zu den drei Cent in der Minute. Die nehmen es von den Lebenden.
Jetzt war es mir klar. Die Fernsehleute hatten die Spammer offensichtlich eingeladen, weil sie auch von der Hormontorte naschen wollten. Die Klingelterroristen und die Raubritter des Versicherungsordens sind ja schon länger dabei. Warum also nicht auch die Reiter unter dem Banner des geflügelten Gummidildos? Die Kombination scheint doch geradezu ideal, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.
Der Kopf der Organisation stellt die Plattformen zur Verfügung3 und sorgt für die Generelle Schwächung der Opfer, indem sie den psychischen Widerstand der Zielgruppe durch niveaulose Unterhaltung bricht.
Derartig vorbereitet wird die Zielgruppe zu einem leichten Opfer der Überfallkommandos. Praktisch freiwillig tauschen die Opfer ihre hartverdienten Euroletten gegen die wirklich nützlichen Dinge im Leben: Krankenversicherung, die für alles aufkommen was man sich vorstellen kann - bis auf Krankheiten und Verletzungen die man sich verschuldet und unverschuldet zugezogen hat; erotische Gespräche mit Hausfrauen, die im Nebenberuf Pornostar sind und den Telefonberuf nur ausüben, weil ein Mann das unglaublich gute Aussehen dieser Frauen nicht ertragen könnte; Klingeltöne und Handylogos, die als Statussymbol ungefähr so wertvoll sind wie… wie… ach, ich habe keine Ahnung. Die sind halt extrem wertvoll.
Die Taktik besticht durch Einfachheit und Effizienz: Überall, wohin man auch geht - die Raubritter der Moderne sind bereits da und warten auf uns. Im Gepäck haben sie alles, was unser Herz niemals begehrte. Das, was wir nie gebraucht haben und niemals brauchen werden. Die Dinge, ohne die ein Leben auf diesem Planeten schon bald unmöglich sein wird.
Ich habe den Teletext-Knopf aus meiner Fernbedienung herausgehebelt und die Lücke mit einem kleinen Totenkopfsymbol überklebt. An meinem Fernseher hängen kleine Klebezettel, die mich während jeder Gefahrensituation darauf hinweisen, wer und was ich bin. Sie sind quasi wie ein Anker, der mich in der Realität hält und mich ermahnt, statt zur Fernbedienung zu greifen, es lieber mit einem Buch zu versuchen.
Dieser Selbstversuch im Wahnsinn des Alltäglichen ist gefährlicher, als ich zu Anfang gedacht hatte…
Schon mal darüber nachgedacht, was unsere Politiker dazu qualifiziert, ihren Job zu machen? Wahrscheinlich nicht. Warum auch. Es ist so selbstverständlich, dass diese Damen und Herren einfach da sind und das tun, was sie da eben tun.
Natürlich sind wir eher selten mit dem Einverstanden, was in der Politik so passiert - aber schließlich sind das unsere gewählten Volksvertreter und die müssen eben tun, was zu tun ist. Wenn man nun aber einmal kurz darüber nachdenkt, fällt einem auf, dass es für so eine wichtige Funktion innerhalb unserer Gesellschaft keine wirkliche Ausbildung gibt. Wie können wir also auf die Idee kommen, dass allein eine Wahl auf Seiten der Politiker eine ausreichende Kompetenz erzeugt? Klingt doch irgendwie unsinnig.
Nachdem in den USA der Präsidentschaftswahlkampf langsam in die Gänge kommt, taucht unter den Kandidaten auch wieder eine bestimmte Bevölkerungsgruppe auf, die sich, bei näherer Betrachtung, vielleicht gar nicht so schlecht zum Politiker eignet: die Schauspieler.
Natürlich haben fast alle Politiker einen Beruf gelernt. Die meisten haben sogar studiert. Es ist also berufliche Qualifikation vorhanden. Es stellt sich nur die Frage, ob das gelernte in der späteren Tätigkeit auch von Nutzen ist. Wenn jemand den ehrenwerten Beruf des Bäckers erlernt, ist er ja später auch nicht qualifiziert, Fahrlehrer zu werden.
Es bedarf also einer Ausbildung, die in der späteren Tätigkeit von Nutzen ist. Und hier drängt sich das Berufsbild des Schauspielers förmlich auf, da diese Ausbildung fast alle Aspekte des Politikerlebens abdeckt.
Im Leben eines Politikers kommt es sehr häufig darauf an, in viele Rollen schlüpfen zu können. Da sind zum Beispiel die Rollen des »führungsstarken Hardliners«, des »um die Bürger besorgten Volkspolitikers« oder des »entrüsteten Oppositionellen«.
Hier ist eine abgeschlossene Schauspielausbildung eine wahre Trumpfkarte, ist es doch für einen jeden Politiker wichtig, zu jeder Stimmung innerhalb des Volkes, die passende Darstellung anzubieten.
Jeder Politiker muss in der Lage sein, seine Gefühle passend zur politischen Situation auszudrücken. So ist bei wichtigen Staatsempfängen eine ernste Miene und ein würdevoller Blick dringend erforderlich. Auch emotionale Extremsituationen dürfen diese Situation nicht außer Kontrolle geraten lassen - das Gesicht muss Würde ausstrahlen, auch wenn die neue Intimfrisur juckt und die Vorfreude auf das Spekatakel der fleischlichen Genüsse, die zu Ehren des Staatsgastes am Nachmittag im Hotel zelebriert werden, übermächtig zu werden droht. Hier ist das Talent des professionellen Schauspielers gefragt.
Der Beruf des Politikers wird im Volk immer unpopulärer. Niemand ist wirklich davon überzeugt, dass ein Politiker seinen Job wirklich gut macht. Auch hier könnte eine Schauspielausbildung Abhilfe schaffen. Wenn von vornherein klar wäre, dass es sich bei den Politikern um Schauspieler handelt, die ein großes Theaterstück zur Unterhaltung des Volkes aufführen, wäre vielen Politikern die Gunst des Volkes sicher.
Logischerweise wird niemand einem Schauspieler vorwerfen, seinen Job zu gut zu machen und den Zuschauer an der Nase herumzuführen - dafür ist ein Schauspieler ja da. Endlich könnte ein jeder Politiker sagen: »Na klar. Ich spiele Euch hier ein gewaltiges Theater vor. Die Notwendigkeit der Terrorismusbekämpfung steht im Drehbuch. Natürlich entspricht das alles nicht der Wahrheit - aber meine Rolle sieht das so vor.«
Könnte irgendjemand diesem Politiker ein Fehlverhalten vorwerfen? Mit Sicherheit nicht.
Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Punkt auf der Haben-Seite des Schauspielerkontos ist mit Sicherheit die Popularität eines Schauspielers. Da viele Schauspieler aus Filmen und Serien bereits einen sehr hohen Bekanntheitsgrad im Volk erreicht haben, wären keine teuren Wahlkämpfe mehr erforderlich. Die Parteien wären also in der Lage, die gesamten Bestechungsgelder Parteispenden in die Drehbuchentwicklung zu investieren, was schlussendlich dem Volk zu gute käme.
Zusätzlich bekäme der »Wahlkampf« im Fernsehen dem TV-Programm zu Pass. Ein Politiker wäre gezwungen, in einer hochwertigen Produktion zu spielen, um ausreichend Wählerstimmen auf sich vereinigen zu können. Drittklassige Schauspieler in drittklassigen Serien wären bei den Wahlen nahezu chancenlos und durch diese Art der Selektion wären Serien wie »Unter uns« oder »Marienhof« schlicht unmöglich.
Ihr seht also, dieses System wäre tatsächlich ein Garant für den Erfolg eines Politikers. Schauspieler in der Rolle von Politikern brächten dem Volk also unbestreitbar große Vorteile. Natürlich würde die poltische Entwicklung eines Landes nicht direkt von diesem System profitieren - eine Verschlechterung der Situation ist aber auch nicht zu erwarten1. Der Wähler erhielte aber zumindest genau das, was er erwartet und wofür er bezahlt hat2.
Stellt sich zuletzt natürlich noch die Frage, warum dieses perfekte System bislang keine Verwendung findet. Warum verzichten wir freiwillig auf diese gewaltigen Vorteile? Warum lassen wir uns das ganz große Kino entgehen und sehen uns stattdessen tagtäglich dieses niveaulose Volks- und Bauerntheater an?
Die Antwort finden wir - wie sollte es anders sein - in einem Film. Der Mensch scheint wohl nicht für eine perfekte Welt geschaffen und könnte ohne die tägliche Dosis Unglück niemals lange glücklich sein, was nach kurzer Zeit zum Zusammenbruch des Systems führte.
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